Jodmangel-Struma und andere Schilddrüsenerkrankungen

ALLGEMEINES

 

Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfs und vor dem oberen Teil der Luftröhre. Sie hat eine schmetterlingsähnliche Form mit zwei Drüsenlappen und einem verbindenden Mittelstück. In ihren zahlreichen Bläschen werden die bekannten Schilddrüsenhormone gebildet unter Verwendung von Jod, das aus der Nahrung aufgenommen, im Blut transportiert, in der Schilddrüse umgewandelt, gespeichert und als Baustein für die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) verwandt wird.
Als Drüse wird sie von höheren Schaltstellen im Gehirn gesteuert und entweder zu verstärkter oder verminderter Arbeit, sprich Hormonproduktion, angehalten. Dies geschieht über einen Regelkreis mit zwei Reglern: Als oberste Kontrollinstanz fungiert der sog. Hypothalamus des Zwischenhirns. Untergeordnet ist die Hirnanhangsdrüse, die sog. Hypophyse. Werden jetzt zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet, gibt es über die Hormonkonzentration im Blut zunächst eine Meldung an die Hirnanhangsdrüse, die ihrerseits über ein stimulierendes Hormon (TSH) die Schilddrüse auffordert, mehr Hormone zu produzieren. Im umgekehrten Fall, bei einer Überfunktion der Schilddrüse mit erhöhter Hormonproduktion, weist sie das Organ an, weniger aktiv zu sein. Ist dieser Regelmechanismus gestört, greift das höhere Zentrum (der Hypothalamus) ein und gibt Weisungen an die Hypophyse, mehr bzw. weniger Hormone zur Stimulierung der Schilddrüse auszusenden. Das passiert jedoch nur ganz selten. Ist die Hormonlage dann wieder ausgeglichen, schalten die Regelzentren zurück. Die Schilddrüse steht mit dem vegetativen Nervensystem in enger Verbindung; sie beeinflusst über ihre Hormone die meisten Stoffwechsel- und Organprozesse des Körpers sowie das Körperwachstum. Auch auf die psychische Verfassung nimmt sie Einfluss.

 

 

SCHILDDRÜSENVERGRÖßERUNG

 

  1. Ungefähr 50% der Bevölkerung haben in Deutschland eine Schilddrüsenvergrößerung unterschiedlicher Ausprägung. Die häufigste Ursache ist der sog. endemische Jodmangel. Es gibt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Die Norddeutschen sind durch Ernährung mit jodhaltigem Fisch etc. weniger betroffen als z.B. die Bayern. Das mittlere Schilddrüsenvolumen ist bei uns ca doppelt so hoch wie im gut mit Jod versorgten Schweden. Der tägliche Jodbedarf beträgt bei Jugendlichen und Erwachsenen ca. 180 - 2oo ug Jod, in der Schwangerschaft und Stillzeit 230 - 260 ug Jod. Säuglinge benötigen ca. 80 ug, Kinder 100 ug Jod. Bei einer verminderten Aufnahme muss die Schilddrüse sich vergrößern, um in einem Mehr an Gewebe die für eine normale Funktion ausreichende Hormonmenge zu produzieren. In der Regel besteht eine normale Stoffwechsellage, d.h. keine Über- oder Unterfunktion bei reinem Jodmangel. Als Therapie bei dieser Form der Kropfbildung werden entweder nur Jodidtabletten und eine jodreiche Ernährung empfohlen oder die Gabe von Schilddrüsenhormonen. Hat sich der Kropf dann zurück gebildert, werden dann nur noch Jodidtabletten zur Vorbeugung verabreicht. In jedem Falle muss eine Abklärung der Schilddrüsenvergrößerung durch den Arzt erfolgen!
  2. Kropfbildung im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion. Hier arbeitet die Schilddrüse am normalen Bedarf vorbei. Der Regelkreis mit der Hypophyse funktioniert nicht richtig. Oft ist es nur ein Knoten, ein sog. autonomes Adenom, das sich verselbständigt hat und Hormone produziert, ohne über den Regelkreis gebremst werden zu können. Eine genaue Untersuchung von Größe, Gewebsstruktur (Sonographie), Stoffwechsellage (Hormonbestimmung im Blut, Regelkreisüberprüfung durch sog. Funktionstests), Funktion der Schilddrüse (durch szintigraphische Prüfung der gleichmäßig über das Organ verteilten oder der lokal vermehrten Speichelareale) ist unabdingbar notwendig, um die zugrundeliegende Schilddrüsenerkrankung zu erfassen und ursächlich zu behandeln. Eine Sonderform ist die sog. Basedowsche Erkrankung, die neben einer Vergrößerung und Überfunktion der Schilddrüse auch oft mit Augenveränderungen einhergeht. Die hervortretenden Augäpfel im fortgeschrittenen Stadium haben sicherlich die meisten schon gesehen. Darüber hinaus ist der Lidschluss gestört; Doppelbilder, Augenmuskellähmungen und vermehrter Tränenfluss sind typisch. Es handelt sich um eine sog. Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Abwehrstoffe gegen körpereigenes Gewebe, hier gegen Schilddrüsengewebe, bildet und so eine Entzündungsreaktion auslöst. Nach der Behandlung der Überfunktion gibt es erfolgreiche Möglichkeiten, die Augenveränderungen zu beeinflussen: symptomatisch mit Lichtschutzbrille und Augensalbe, bei normalisierter Schilddrüsenfunktion dann mit Cortisonpräparaten, Bestrahlungsserien und kosmetisch-funktionellen Operationen. Eine Schilddrüsenunterfunktion als Ursache des Kropfes ist sehr viel seltener. Bei Säuglingen werden aber bereits Screeninguntersuchungen durchgeführt, um eine Unterfunktion sofort zu erkennen und eine normale geistige und körperliche Entwicklung sicherzustellen. Eine Unterfunktion im Rahmen von Entzündungen und Autoimmunerkrankungen, bei denen Antikörper gegen Schilddrüsensubstanzen gebildet werden, können in selteneren Fällen ebenfalls Ursache einer Organvergrößerung sein.

 

 

KNOTEN DER SCHILDDRÜSE

 

Knoten kann man je nach Größe tasten. Bei der Ultraschalluntersuchung werden sie sichtbar, weil sie sich mehr oder minder deutlich vom übrigen Organgewebe abheben. Mit der Szintigraphie überprüft man indirekt die Organfunktion (welche Bereiche Hormone bilden). Es wird radioaktiv markiertes Technetium in eine Armvene eingespritzt. Eine Gammakamera erfasst, wo und in welcher Menge sich das Nuklid innerhalb der Schilddrüse einlagert. Diese Bezirke entsprechen hormonbildendem Drüsengewebe. Die Verteilung des Nuklids ist unterschiedlich innerhalb des schmetterlingsähnlichen Organs. Im Ausdruck sieht man ein buntes Bild, bei dem die am stärksten speichernden Areale rot hervortreten. Knoten können sich entweder verstärkt darstellen, wenn sie vermehrt Hormone bilden. Es handelt sich dann (nach dem Speicherverhalten) um sog. "warme Knoten", z.B. ein "autonomes Adenom", das sich dem normalen Regelkreis von Schilddrüse und Hirnanhangsdrüse entzieht und eigenständig Hormone bildet. "Kalte Knoten", die nicht speichern, können Zysten, Einblutungen, aber auch Krebsknoten entsprechen und bedürfen daher dringend der weiteren Abklärung. Der Arzt wird in Zusammenschau mit dem Ultraschallbefund entscheiden, ob eine Gewebsentnahme zur weiteren Klärung nötig ist.

 

 

VORBEUGUNG EINES JODMANGELS (gilt nicht bei Überfunktion der Schilddrüse oder bei Jodallergie!)

 

Jodsalz verwenden und jodierte Lebensmittel kaufen (Backwaren, Wurstwaren etc.). Weniger Fertiggerichte oder mehr nach jodierten Gerichten fragen! Zweimal wöchentlich Fisch essen (Schellfisch z.B. enthält pro Portion ca. 230 ug Jod, Rotbarsch ca. 90 ug, Hering ca. 50 ug), Milchprodukte (1 Glas Milch ca. 11 ug Jod )

 

 

WARNSIGNALE FÜR EINE SCHILDDRÜSENVERGRÖßERUNG

 

  • Enger werdender Kragen bzw. kürzer werdendes Halskettchen (oft bei jungen Mädchen!)
  • Dicker werdender Hals mit stärkerer Ausprägung der Schilddrüse unterhalb des Kehlkopfes, noch deutlicher sichtbar bei zurückgelegtem Kopf. Ein Wulst, der sich beim Schlucken auf und ab bewegt.
  • Jede Schwellung oder Veränderung der normalen Halsansicht,
  • Druckgefühl
  • Schluckstörungen
  • Schwierigkeiten beim Atmen (jedoch selten und erst bei sehr ausgeprägter bzw. nach innen verlagerter Struma; meist Ausdruck einer psychosomatischen Erkrankung, Abklärung aber in jedem Falle erforderlich!!)

 

 

ZEICHEN EINER ÜBERFUNKTION DER SCHILDDRÜSE

 

  • Nervosität
  • Zittern der Hände
  • Schlaflosigkeit
  • allgemeine Unruhe
  • warme, feuchte Haut
  • stärkeres Schwitzen und Hitzegefühl
  • Herzrasen oder Rhythmusstörungen
  • Blutdruckschwankungen
  • Adynamie
  • Schwäche der Oberschenkelmuskeln
  • Gewichtsverlust trotz des Heißhungers
  • gesteigerte Stuhlfrequenz
  • Durchfälle (jedoch auch Obstipation bei Hyperthyreose möglich)

 

 

SYMPTOME EINER UNTERFUNKTION DER SCHILDDRÜSE

 

  • Trinkfaulheit
  • Wachstumsverzögerung
  • Trägheit
  • geistige Minderentwicklung beim Kind
  • Leistungsabfall
  • Antriebsarmut
  • Müdigkeit
  • trockene, kühle, teigige Haut
  • trockenes, brüchiges Haar
  • heisere Stimme
  • Obstipation
  • Gewichtszunahme
  • Kälteempfindlichkeit
  • niedrige Körpertemperatur

 

 

KONTAKTADRESSEN

 

Schilddrüsen-Informationsdienst (SDID)
Bolongarstr.82
65929 Frankfurt /Main
Tel.: 069 / 31405324
Fax: 069 / 31405316

 

Forum Schilddrüse e.V.
Heimhuder Str.70
20148 Hamburg
Tel.: 040/ 417095

 

Arbeitskreis Jodmangel
Postfach 1541
64505 Groß Gerau
Tel.:06152/ 40021

 

Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufkärung (Referat 1-15)
Ostmerheimer Str.200
51109 Köln

 

 

LITERATURHINWEISE

 

Prof. Dr. med. G. Mödder: Krankheiten der Schilddrüse
Bund-Verlag
ISBN 3-7663-2218-4

 

Prof. Dr. med. P. Pfannenstiel / Dr. phil. W. Schwarz: Nichts Gutes im Schilde -Krankheiten der Schilddrüse
TRIAS Verlag
ISBN 3-89373-258-6

Wir sind für Sie da:

Dr. med. Markus Reuland
Weiser Str. 37
56566 Neuwied

Telefon: 02622 6336 02622 6336

E-Mail: praxis@dr-reuland.de

 

 

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