Pilze im Darm

Gerade beim Krankheitsbild der Pilzinfektion des Darms ist es so wichtig, kritisch Beschwerden und Befunde abzuwägen und sich nicht allzu sehr durch immer neue Hiobsbotschaften verunsichern zu lassen. Nicht jeder ist so krank wie er gemacht wird!

 

 

ALLGEMEINES ZUR MYKOSE
 

Man versteht unter "Mykose" eine durch Pilze ausgelöste Erkrankung. Nicht schon der reine Nachweis von Pilzen etwa auf unserer Haut oder auf unseren Schleimhäuten ist krankhaft. Denn überall finden sich diese kleinsten Lebewesen. Nur wenn die Immunabwehr schlechter geworden ist, können Pilze zu einem Problem für den Körper werden.
Ein gesunder Mensch mit normalem Abwehrsystem muss in der Regel keine Angst vor einer krankhaften Ausbreitung der im oder am Körper vorhandenen Pilze haben. Die Abwehrkräfte vor Ort sind in der Regel stark genug, der Erreger Herr zu werden. Eine lokale Behandlung bei Haut-, Nagel- oder Urogenitalpilzerkrankungen ist jedoch erforderlich, um der Ausbreitung vor Ort Einhalt zu gebieten. Ähnliches gilt für den Mundsoor.


Merke:

Es ist also zu unterscheiden zwischen dem Vorhandensein und Nachweis von Pilzen im oder am Körper und einer Pilzerkrankung, bei der Beschwerden und krankhafte Befunde bestehen. Für eine "richtige" Infektion ist es immer erforderlich, dass die Pilze in die Schleimhaut bzw. in das Organgewebe eindringen und dort zu einem entzündlichen Prozess führen. Ein Anheften z.B. an die Darmwand ist allein nicht ausreichend, um von "Infektion" zu sprechen.

 

 

FÜR WELCHE SYMPTOME WERDEN PILZE IM DARM VERANTWORTLICH GEMACHT ?

 

Die Palette ist vielfältig und reicht von Blähungen, Durchfällen, wechselnden Stuhlgewohnheiten, Magen- und Darmkrämpfen über Gelenkbeschwerden, bis hin zu Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und vermehrter Infektanfälligkeit.

 

 

WELCHE ANDEREN ERKRANKUNGEN KOMMEN IN BETRACHT?

 

Aus der Fülle der Symptome und der Breite des Beschwerdebildes wird deutlich, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen müssen und auch die zugrundeliegenden Krankheitsbilder so facettenreich sein können wie das Beschwerdebild. Lebensumstände, Lebensstil und psychische Befindlichkeiten sind hier genauso zu berücksichtigen wie die Persönlichkeitsstruktur, die Ernährungsweise und bestehende Grunderkrankungen der betroffenen Person. Stress in Privatleben und Beruf fließen hier ebenso ein wie Über- oder Unterforderungssituationen oder mangelnde Konfliktbewältigung. Bei der Darmsymptomatik sind drei unterschiedliche Bereiche als weitere Ursachen abzuklären:

 

Die Ernährungsweise:

Wie ballaststoffreich ist Ihre Nahrung?
Essen Sie schnell oder langsam?
Schlucken Sie dabei viel Luft die Blähungen verursachen könnte?
Welche Nahrungsmittel vertragen Sie nicht?
Sind Kohl- oder Hülsenfruchtarten als Auslöser Ihrer Blähungen möglich?
Wie groß ist Ihre tägliche Trinkmenge? (Sie sollten mindestens 1,5 - 2 l trinken, da dies sonst Erklärung für eine mögliche Verstopfung sein könnte.)
Wie viele Mahlzeiten nehmen Sie pro Tag zu sich) Zwischenmahlzeiten sind besser als drei Hauptmahlzeiten.

Wie regelmäßig essen Sie überhaupt?

 

Das sog. Reizdarmsyndrom:

Hier kommt es zu einer Irritation des Darms, so dass wechselnde Stuhlgewohnheiten mit Phasen von Durchfall und Verstopfung resultieren können. Das vegetative Nervensystem spielt hier eine wichtige Rolle, ebenso psychische Faktoren. Man muss sich den Darm wie einen Muskelschlauch vorstellen, der sich in zeitlicher Abfolge koordiniert entspannt und anspannt und so eine Beförderung des Darminhalts, aber auch der Darmluft bewirkt. Laufen diese Prozesse in den verschiedenen Darmabschnitten nicht koordiniert ab, so ist die sog. Peristaltik, also die normale Darmtätigkeit, gestört. Krämpfe und Blähungen sowie Stuhlverhalt können entstehen;

 

Passagebehinderungen:

Hier können Vernarbungen die Ursache sein, aber auch entzündliche oder sogar tumoröse Veränderungen. Auch ein Druck von umliegenden Organstrukturen auf einen Darmabschnitt ist möglich. Ausstülpungen oder Einklemmungen von Darmschlingen sind als Auslöser von Passagestörungen des Darminhalts ebenfalls nicht selten. Die Beschwerden sind meist ähnlich den beschriebenen, wenn es nicht zu einem richtigen Darmverschluss mit ganz akuter Symptomatik kommt.

 

 

VORKOMMEN VON PILZEN

 

Pilze kommen an Haut, Haaren und Nägeln als sog. Dermatophyten vor als ganz normale Siedler. Dringen sie aber in das Gewebe ein und führen zu Krankheitserscheinungen einer Mykose, so ist die Haut gerötet, juckt, hat Risse und eventuell nässende Stellen. Später schält sich dieses Hautareal. Den Nagelpilz mit den weißlich- gelblichen Verfärbungen und Verdickungen der Nagelmasse kennen viele von uns ebenfalls. Bartflechten plagen so manchen Mann. Fußpilz mit den juckenden, nässenden Rissstellen zwischen den Zehen haben ebenfalls die meisten schon einmal gehabt. Hefe- und Schimmelpilze lassen sich fast im gesamten Magen-Darm-Trakt nachweisen und bevölkern besonders die Mundhöhle. Besonders Untergruppen des Candida - Pilzes sind hier anzutreffen. Beim sog. Mundsoor zeigen sich weißliche Beläge auf der Mundschleimhaut. Sie lassen sich nur schwer abstreifen und bewirken richtige Entzündungserscheinungen. Berührungen der Schleimhaut schmerzen dann. Die oberste Schleimhautschicht löst sich ab. "Wunde Stellen" entstehen. Säuglinge sind anfällig für Soor. Prothesenträger haben oft mit einem Soorbefall zu kämpfen. Und auch bei mangelnder Mundhygiene ist eine entzündliche Pilzansammlung an den schlecht erreichbaren Stellen nicht selten. Wahre Pilzrasen entwickeln sich bei allgemeiner Abwehrschwäche. Sie können dann leicht auch die Speiseröhre befallen und entzündlich verändern. Dann ist auch das Schlucken äußerst schmerzhaft. Die Pilze können bei stark reduzierter Abwehrlage dann auch bis in die Lunge vordringen und dort eine Entzündung hervorrufen. Betont sei, dass dies aber nur bei einem Abwehrgeschwächten passiert und bei intaktem Immunsystem normalerweise nicht zu befürchten ist. Bei jedem gesunden Menschen können die normalerweise in der Mundhöhle vorhandenen Pilze weiter wandern in den Magen, den sauren Magensaft sogar passieren und bis in den Darm vordringen. Das alles hat noch keinen Krankheitswert; es sei denn, es besteht der seltene Fall einer Allergie gegen die Pilzsporen. Von der Menge, der Aggressivität und der Anheftungsfähigkeit an die Schleimhaut hängt es ab, ob und in welchem Maße eine größere Pilzansammlung im Darm resultiert. Normalerweise greift das Abwehrsystem ein und bekämpft die Pilzansammlung. Verändern sich die Pilze jedoch schnell in ihrer Struktur, so hat es die lokale Abwehr schwerer. Weißliche Beläge zeigen sich dann auf der Mundschleimhaut. Sie lassen sich nur schwer abstreifen und bewirken richtige Entzündungserscheinungen. Berührungen der Schleimhaut verursachen Schmerzen; ist die Speiseröhre mit einbezogen, tut auch das Schlucken weh.

 

 

WANN SPRICHT MAN VON EINER DARM - MYKOSE ?

 

Ein vermehrter Pilznachweis im Stuhl oder gar im Analabstrich sichern nicht die Diagnose. Immer müssen entzündliche Veränderungen an der Darmschleimhaut bestehen. Im Gewebe lassen sich Pilzansammlungen und auch Entzündungsreaktionen nachweisen. Bei einer Darmspiegelung ist dies zu sehen und durch Entnahme einer Gewebeprobe auch zu bestätigen. Sicherheitshalber sollte man also bei Verdacht einer "Pilzinfektion" des Darms eine Coloskopie mit Biopsie vornehmen lassen. Hier wird sich dann auch entscheiden, ob zur Abklärung anderer Ursachen der Beschwerdesymptomatik weitere Untersuchungen erforderlich werden.

 

 

WER IST BESONDERS ANFÄLLIG FÜR EINE PILZINFEKTION?

 

Jeder, bei dem es zu einer Schwächung des Immunsystems gekommen ist durch:

  • Medikamenteneinnahme wie Cortisonpräparate über längere Zeit
  • Chemotherapeutika bei Krebs oder Immunsuppressiva bei rheumatischen und sonstigen chronisch entzündlichen Krankheiten
  • eine chronische Krankheit mit körperlichem Verfall (auch Krebs- und Aids-Kranke seien hier erwähnt)
  • eine Zuckerkrankheit, die ebenfalls anfälliger für Keime und Infektionen macht
  • eine lange Antibiotika-Therapie, die Bakterien bekämpfen sollte, aber zu einer Veränderung der normalen Keimflora geführt hat
  • einen langen Krankenhausaufenthalt mit intensivmedizinischer Betreuung
  • eine schwere Operation mit anschließenden Komplikationen
  • eine Infektionskrankheit, die nicht schnell ausheilte und den Körper geschwächt hat

 

 

WIE SIEHT DIE BEHANDLUNG EINER MYKOSE AUS?

 

Eine lokale Behandlung der Nagel- oder Fußpilzerkrankung, der urogenitalen Mykosen oder des Mundsoors sollen immer erfolgen. Hier steht eine Vielzahl von Präparaten zur Verfügung. Hygienemaßnahmen und eine konsequente Therapie, die lange genug durchgeführt wird und auch nach Abklingen der Beschwerden noch fortgeführt werden sollte. Besonders bei urogenitalen Beschwerden ist es ratsam, nicht lange selbst zu behandeln, sondern einen Facharzt zur Behandlung aufzusuchen. Er wird nach Keimspektrum eine gezielte Therapieempfehlung geben und auch über Ansteckungs- und Vorbeugemaßnahmen sowie über Ausschaltung der ursächlichen Faktoren für die Pilzinfektion aufklären. Ein Mundsoor bedarf der medikamentösen Behandlung, aber auch der ursächlichen. Verstärkte oder veränderte Mundhygiene spielen hier ebenso eine Rolle wie die Überprüfung von Prothesen oder die Abklärung einer zugrundeliegenden die Abwehr schwächenden Erkrankung. Vorsorglich werden z.B. Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, pilzabtötende Mittel verabreicht. Eine sog. systemische Behandlung, die im ganzen Körper wirkt und Pilze abtöten soll, weil sie über die Blutbahn in jedes Organ gelangen kann. Hier gibt es Tabletten und für schwere Fälle auch Infusionslösungen. Eine generalisierte Pilzinfektion bedarf einer Infusionsbehandlung mit mehreren "Pilzmitteln", die sich in ihrer Wirkung ergänzen. Dies bleibt aber schweren, rasch fortschreitenden Krankheitsbildern vorbehalten. Bei einer tatsächlichen Pilzinfektion des Darms muss eine generalisierte Therapieform gewählt werden, weil man durch Mittel, die man schlucken kann, die Darmregion nicht wirkungsvoll erreicht. Ein reiner Pilznachweis im Stuhl ohne Entzündungszeichen der Schleimhaut sind hierfür aber nicht ausreichend. Wegen der möglichen Nebenwirkungen der Mittel sollten Sie einer zu frühzeitigen und nur vorsorglichen Therapieeinleitung kritisch gegenüberstehen. Eine systemische Behandlung sollte nur dann erfolgen, wenn tatsächlich eine Pilzinfektion besteht. Es gibt einen Therapieansatz, der den frühzeitigen Einsatz pilzabtötender Medikamente und eine ganz strenge "Pilzdiät" favorisiert, weil er davon ausgeht, dass die im Darm gefundenen Pilze die Auslöser einer vielfältigen Symptomatik sind und auch andere lokale Mykosen bewirken. Dieser Ansatz ist innerhalb der Ärzteschaft sehr umstritten und sollte auch von Ihnen als Elternhinterfragt werden.

 

 

DIÄT

 

Eine typische Diät bei Pilzerkrankung des Darms gibt es nicht. Natürlich ist es sinnvoll, bei Blähungen, Völlegefühl und wechselnden Stuhlgewohnheiten wenig Kohlenhydrate, möglichst keine Hefe- und Süßwaren sowie wenig Fett zu sich zu nehmen und stattdessen eine ausgewogene ballaststoffreiche Kost anzustreben. Leicht resorbierbare Zucker wie Frucht- und Traubenzucker sind als Kohlehydratspender wenig geeignet, weil sie zur vermehrten Gasbildung im Darm und damit zu Blähungen Anlass geben. Darüber hinaus schaffen sie nur kurz ein Sättigungsgefühl und anschließend einen Heißhunger auf noch mehr "Süßes". Beides ist unerwünscht. Stärkehaltige Nahrungsmittel (also Kartoffeln, Hülsenfrüchte (sofern sie keine Blähungen verursachen!), Vollkornprodukte) sowie viel Gemüse, Obst und Salat verbessern die Darmperistaltik und dadurch die Darmpassage. Diese Ernährungsweise greift bei allen Formen des Reizdarmsyndroms und der Verdauungsprobleme und führt zur Linderung der Beschwerden. Deshalb sollte sie in jedem Falle favorisiert werden und nicht nur als Behandlung der Pilzbesiedelung des Darms! Die "extremen" Pilzdiäten , die oft zu einer radikalen Ernährungsumstellung und zu ganz viel grundsätzlichem Verzicht führen, sollten hinterfragt und auf ihre Umsetzung im alltäglichen Leben überprüft werden. Eine bewusste, ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung ist erforderlich, sollte aber dann ein Leben lang beibehalten und als selbstverständlich in den Alltag eingebaut werden. Nur so ist auf Dauer mit einer Linderung der Beschwerdesymptomatik zu rechnen. Alle allzu großen Verzichte lassen sich auf Dauer nicht verwirklichen und durchhalten. Deshalb sollten Sie sie von vorn herein relativieren und Ihre Ernährungsumstellung nach für Sie realisierbaren Kriterien und Maximen vornehmen. Planen Sie bewusst kleine "Sünden" in den Ernährungsplan ein; sonst werden Sie von ihnen unüberlegt doch wieder eingeholt. Das ist viel schlimmer.

 

Merke:

Eine Umstellung der Ernährung in Maßen, die kleine persönliche Schwächen oder Vorlieben berücksichtigt, dann aber konsequent eingehalten wird, ist besser als die perfekte Diät, an die man sich dann aber doch nicht hält.

 

 

LITERATURHINWEISE

 

Die Palette der medizinischen Ratgeber zum Thema "Pilze im Darm" ist sehr groß. Sie sollten daher auf folgende Kriterien bei der Beurteilung des Buches achten: Wie wird das Krankheitsbild der Pilzinfektion definiert und dargestellt? (In vielen Fällen wird der Pilznachweis im Stuhl schon mit einer Pilzinfektion gleichgesetzt). Gibt es eine differenzierte Darstellung des Problems?

Werden verschiedene Behandlungsmethoden vorgestellt und in ihrer Indikation abgewogen?
Wie ist der allgemeine Tenor des Buches?
Muss jetzt jeder Angst haben, an einer Pilzinfektion zu erkranken, wenn er sich nicht richtig ernährt oder ermöglicht das Buch eine realistische Einschätzung des persönlichen und des allgemeinen Risikos?
Viele Bücher haben gute Ernährungstips mit interessanten Rezepten für die Nahrungszusammenstellung und Zubereitung. Diese sollten aber als allgemeine Ratschläge zur gesünderen und ausgewogeneren Ernährung (gerade auch bei Magen-Darm-Beschwerden und Reizdarmsymptomatik) verstanden werden und nicht als gezielte Therapie bei Pilzbefall des Darms, der in gewissem Grade normal ist und für sich allein, ohne zugrunde liegende Erkrankung, noch kein Risiko darstellt.

 

 

KONTAKTADRESSEN

 

Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Postfach 93 02 01
60457 Frankfurt a. Main

 

Deutsche Gesundheitshilfe Magen und Darm e.V.;
Postfach 940303
60641 Frankfurt a. Main

 

Gastro - Liga
Kleine Mühlengasse 4
35390 Gießen

 

Allergieverein in Europa (AVE) Selbsthilfegruppe "Candida"
Marienstraße 57
99817 Eisenach

 

Arbeitsgemeinschaft Mykosen (AGM)
Ludwigstr. 21
61231 Bad Nauheim

Wir sind für Sie da:

Dr. med. Markus Reuland
Weiser Str. 37
56566 Neuwied

Telefon: 02622 6336 02622 6336

E-Mail: praxis@dr-reuland.de

 

 

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