Infektionen

Wenn der Entzündungsreiz auf dem Vorhandensein von Mikroorganismen im oder auf dem Körper beruht, spricht man von einer Infektionskrankheit oder - in der Umgangssprache kürzer - von einer "Infektion".
Der Begriff der "Entzündung" kann also als der weiter gespannte, dem Begriff der "Infektionskrankheit", übergeordnete Begriff betrachtet werden. Eine Infektion ist eine spezielle Unterart der Entzündung, weil ein spezieller auslösender Reiz vorliegt nämlich Mikroorganismen.
Unter "Infektion" ist - ganz streng betrachtet - der Vorgang des bakteriellen oder viralen Infizierens zu verstehen; die Erkrankung wäre - ebenso streng betrachtet - als Infektionskrankheit zu bezeichnen. Im folgenden wollen wir uns aber dem allgemeinen Sprachgebrauch anpassen, die Krankheit als "Infektion" zu bezeichnen.

 

 

WIE KOMMT ES ZUR INFEKTIONSKRANKHEIT?

 

Wir sind in unserer Umwelt ständig von Bakterien und anderen Mikroorganismen umgeben. Bakterien sind tatsächlich überall. Einerseits leben sie (als sog. Kommensalen) auf unserer Haut und unseren Schleimhäuten sowie in unserem Darm. Zwischen dem Menschen (und jedem Tier) und der Bakterienflora besteht ein Gleichgewicht. Andererseits verfügt unser Körper über Mechanismen, die ihn vor einem weiteren Vordringen von Bakterien schützen - es besteht sozusagen ein "bis hierher und nicht weiter..."
Zu diesen Mechanismen gehört die Haut mit ihrem sog. Säuremantel oder das Flimmerepithel in unseren Atmungsorganen.

Unter bestimmten Bedingungen kann das Gleichgewicht gestört sein und Mikroorganismen können "infektiös" werden - d.h. sie dringen in den Körper ein und lösen eine Entzündung aus. Man spricht dann auch von einer Ansteckung - der Betroffene hat von einem anderen Menschen, einem Tier oder aus der Umgebung Mikroorganismen aufgenommen, die in ihm eine Infektionskrankheit ausgelöst haben. Das geschieht meist dann, wenn eine größere Anzahl von Bakterien an unphysiologische Standorte im Körper gelangt und die körpereigene Abwehr zu schwach oder die Keimzahl zu groß ist. Eine Infektionskrankheit ist eine Entzündung, bei der der Entzündungsreiz aus dem Vorhandensein von Bakterien besteht. Es kommt zur Infektionskrankheit, wenn der Körper die eingedrungenen Bakterien mit der körpereigenen Abwehr nicht mehr beherrscht. Die Schwäche der körpereigenen Abwehr kann verschiedene Gründe haben:

  • sie ist bei Neugeborenen noch nicht völlig ausgebildet
  • sie ist aufgrund schwerer Grunderkrankungen beeinträchtigt (z.B. Diabetes, Krebs, AIDS)
  • sie ist derzeit überlastet (z.B. bei starkem körperlichen oder seelischen Streß)
  • sie ist stark reduziert aufgrund hohen Alters

Ob es zu einer Infektionskrankheit kommt, hängt sowohl vom Menschen bzw. vom Zustand seiner körpereigenen Abwehr als auch von den eindringenden Bakterien ab. Doch dazu später mehr...

 

 

INFEKTIONSSYMPTOME

 

Die Symptome einer Infektionserkrankung entsprechen ansonsten weitgehend denen anderer Entzündungsarten: Rötung, Wärme, Schwellung, Schmerz und Funktionsverlust.

 

Symptom der Entzündung Beobachtung
Rötung                           

z.B. gerötete Mandeln bei Mandelentzündung

Wärme

z.B. erwärmter Hodensack bei Nebenhodenentzündung

Schwellung      z.B. geschwollene Mandeln bei Mandelentzündung
Schmerz                                    z.B. schmerzhaftes Ohr bei Mittelohrentzündung

 

Diese als "Kardinalsymptome" bezeichneten Zeichen einer Entzündung wurden bereits vor fast 2000 Jahren von Celsus (lebte kurz nach Christi Geburt) und Galen (130 bis 200 n. Chr.) beschrieben.

 

 

INFEKTIONSGESCHEHEN IM KÖRPER

 

Die biologischen Hintergründe der Einzelsymptome sind folgende:

 

 Rubor (Rötung) es kommt durch den Infektionsreiz zu einer lokalen Kreislaufstörung mit einer lokalen Gefäßerweiterung am Infektionsort.
 Calor (Wärme) in Folge der lokalen Gefäßerweiterung kommt es zu einer Überwärmung im direkten Infektionsgebiet
 Tumor (Schwellung) durch die lokale Kreislaufstörung kommt es darüber hinaus zum Austreten von eiweißreicher Flüssigkeit und von Blutzellen aus dem Blut in das umgebende Gewebe. Dieses führt dann zur Schwellung benachbarter Gebiete.

 Dolor (Schmerz)

der Schmerz hat mehrere Ursachen:

Druck, der durch eine vom Blut ins Gewebe übergetretene Flüssigkeitsansammlung auf die Nerven ausgeübt wird. Außerdem kommt es zur Übersäuerung des betroffenen Gewebes und einer erhöhten Gewebespannung, was schmerzhaft ist. Schließlich werden bestimmte schmerzauslösende Substanzen im betroffenen Gewebe freigesetzt.

 

Zudem treten weiße Blutkörperchen (Leukozyten) durch die Gefäßwände in die geschädigten Gebiete. Geleitet werden die Leukozyten durch spezielle Substanzen, die im infizierten und zerstörten Gewebe freigesetzt werden. Es gibt verschiedene Arten von Leukozyten.
In das Infektionsgebiet wandern vor allem sog. Fresszellen (Phagozyten), die zu den Granulozyten gehören. Die Aufgabe dieser eingewanderten Fresszellen ist es, die Ursachen der Entzündung (Bakterien und geschädigte und abgestorbene Körperzellen) in sich aufzunehmen, zu verdauen und damit zu beseitigen. Diesen Vorgang bezeichnet man als "Phagozytose". Die Phagozytose ist der eigentliche "Reinigungsvorgang" bei einer Infektion. Antibiotika können die Bakterien mehr oder weniger stark in ihrer weiteren Vermehrung hemmen; manche können Bakterien auch abtöten - die eigentliche "Aufräumarbeit" muss aber in jedem Fall die körpereigene Abwehr mit ihren speziell dafür ausgerüsteten Fresszellen übernehmen.

Daher ist es wichtig, dass Antibiotika die entsprechenden Zellen und Mechanismen nicht stören.

 

 

DEFINITION ANTIBIOBIKUM

 

Ein Antibiotikum ist eine ursprünglich von Pilzen oder Bakterien gebildete natürlich vorkommende Substanz, die schon in geringen Mengen das Wachstum von Bakterien zu hemmen vermag.

Antibiotika, die "nur" eine weitere Vermehrung der Bakterien hemmen, ohne sie tatsächlich abzutöten, bezeichnet man als "bakteriostatisch" - sie halten einen zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen Zustand (nämlich die Bakterienzahl) aufrecht oder "statisch".
Antibiotika, die Bakterien tatsächlich abtöten und damit die Bakterienzahl vermindern, werden dagegen als "bakterizid" bezeichnet - dabei steht -"zid" für tödlich.
Die Bekämpfung einer Infektion durch Antibiotika stellt also eine Unterstützung der körpereigenen Abwehr da.

 

 

BEZEICHNUNG EINER INFEKTION

 

Je nachdem, welches Organ betroffen ist, erhält die Infektion ihren speziellen Namen durch das Anhängen der Endsilbe -"itis" an den Wortstamm des Namens des betreffenden Organes. So heißt eine Infektion der Leber Hepatitis, eine der Bronchien Bronchitis, eine der Haut Dermatitis, eine der Blase Zystitis usw. Um eine Übersicht über die verschiedenen Infektionen zu erhalten, kann man die Infektionen nach verschiedenen Kriterien einteilen. Gebräuchlich ist u.a. eine Einteilung nach dem Infektionsort

 

 

EINTEILUNG NACH INFEKTIONSERREGERN

 

Die häufigsten und daher wichtigsten Infektionserreger sind heutzutage Viren und Bakterien. Bei den viralen Infektionen muss man zwischen solchen unterscheiden, die auch ohne antivirale Therapie relativ bald wieder verschwinden - etwa Schnupfen oder die "normale" Grippe - und solchen, die schwere und schwerste Infektionen verursachen Pocken, Röteln, Hepatitis etc.
Gegen manche Virusinfektionen ist es gelungen, Impfstoffe zu entwickeln. Dagegen ist das dem Arzt zur Verfügung stehende Arsenal an gegen Viren wirksamen, gut verträglichen Substanzen - sog. Virostatika - derzeit noch recht klein. Vor allem Infektionen der oberen Atemwege (wie z.B. Pharyngitis, Laryngitis und Rhinitis) und Bronchitiden werden häufig durch Viren verursacht. Diese Virusinfektionen sind oftmals Ausgangspunkt für eine bakterielle Superinfektion der Atemwege.
Im Gegensatz zu Virusinfektionen können bakterielle Infektionen meistens mit gut geeigneten und sehr wirkungsvollen Präparaten - den sog. Antibiotika - behandelt werden.
Pilze findet man als Infektionserreger vor allem bei Patienten, bei denen eine schwere Grunderkrankung besteht (Diabetes, Krebs etc.) oder bei sehr hohem Alter. Bei diesen Patientengruppen ist die körpereigene Abwehr nur noch eingeschränkt funktionsfähig. In dieser Situation können ansonsten wenig infektiöse Mikroorganismen, die einem Gesunden kaum Probleme bereiten, nicht mehr abgewehrt werden.

 

Man unterscheidet als Infektionserreger also vor allem

  • Viren
  • Bakterien
  • Pilze

Darüber hinaus können Protozoen und andere Mikroorganismen Infektionen verursachen. Diese sollen uns im weiteren aber nicht beschäftigen. Wir werden uns im folgenden ausschließlich mit bakteriellen Infektionen beschäftigen.

Man unterscheidet Bakterien nach ihrer Färbbarkeit in der sog. Gram-Färbung in Gram-positive und Gram-negative Bakterien. Wichtig ist an dieser Stelle, dass Infektionen oberhalb des Zwerchfells, meist durch Gram-positive Bakterien verursacht werden, solche unterhalb des Zwerchfells meist durch Gram-negative Bakterien.

 

 

AKUTE UND CHRONISCHE INFEKTIONEN

 

In den meisten Fällen handelt es sich bei den im Praxisbereich (also bei häuslich erworbenen Infektionen) zu behandelnden Infektionen um akute Erkrankungen mit teilweise schwerer Symptomatik, die vom Arzt sofort behandelt werden müssen, ggf. auch im Notdienst. Seine Therapie wird v.a. in der Gabe eines geeigneten Antibiotikums bestehen. Die Auswahl des Antibiotikums geschieht unter Berücksichtigung der typischen bakteriellen Verursacher. Ein geeignetes Antibiotikum soll diese Bakterien erfassen und dem sonstigen Gesundheitszustand des Patienten angemessen sein.
Im Gegensatz dazu werden Erkrankungen wie Rheuma oder Hochdruck als chronische Erkrankungen eingestuft, bei denen am Wochenende im Regelfall auf einen Arztbesuch am nächsten Arbeitstag verwiesen werden wird.
Natürlich gibt es auch chronische Infektionsverläufe. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über typische akute bzw. chronische Infektionen, die im niedergelassenen Bereich häufig und wichtig sind.

 

Meist akute Infektion

Häufig chronische Infektion

Tonsillitis Bronchitis
Pneumonie Prostatitis
Otitis Osteomyelitis

Zystitis bei jungen Frauen

Pyelonephritis

Cholezystitis

 

Eine chronische Infektion verläuft häufig ohne ausgeprägte Symptome (Fieber, Schmerzen) über Monate oder gar Jahre. Ein typisches Beispiel für eine so lange dauernde Infektion kann etwa die chronische Prostatitis darstellen.
Eine chronische Bronchitis kann lebenslang bestehen. Allerdings bricht sie nur etwa 2- bis 3mal pro Jahr - meist im Herbst - aus. So eine infektiöse Episode bezeichnet man als "Exazerbation einer chronischen Bronchitis".
Eine weitere chronische Infektion ist eine Osteomyelitis. Auch sie kann über Jahrzehnte bestehen.
Kennzeichnend für die chronische Infektion ist das dauernde Vorhandensein des Infektionsreizes mit einem gelegentlichen Aufflammen der Symptomatik. Diese Symptome können in einem sehr breitem Spektrum schwanken - von teilweise sehr geringer bis sehr schwerer Ausprägung.

 

REZIDIVIERENDE INFEKTIONEN

 

Eine weitere, über Jahre bestehende Infektionsart ist die rezidivierende (= wiederkehrende) Infektion. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass sie ab und zu "ausbricht" - der Patient also die typischen Zeichen einer Infektion zeigt - dazwischen aber Zeiträume existieren, in denen der Patient sich völlig gesund fühlt und die Infektion tatsächlich ausgeheilt war.
Als typisches Beispiel sei die rezidivierende Blasenentzündung (Zystitis) bei Frauen genannt. Die betroffenen Frauen haben drei- bis viermal pro Jahr eine Blasenentzündung, die sich ansonsten nicht von einer akuten Blasenentzündung unterscheidet. Man kann dann häufig nachweisen, dass jeweils derselbe Bakterien-Stamm (z.B. ein bestimmter E.-coli-Stamm) die Infektion verursacht. Man kann diese Stämme der infektionserregenden Bakterien nämlich genau identifizieren - ihnen mit speziellen mikrobiologischen und immunologischen Methoden also sozusagen einen fälschungssicheren Ausweis mit Vor- und Nachnamen incl. Fingerabdruck zuteilen...

 

 

REINFEKTION

 

Im Gegensatz dazu steht die Reinfektion. Bei ihr handelt es sich um eine Infektion am gleichen Infektionsort oder Organ nach vollständiger Ausheilung der Infektion mit einem anderen Erreger!
Nehmen wir wiederum das Beispiel einer Blasenentzündung - bei der ersten Infektionsepisode sei ein bestimmter E.-coli-Stamm als Auslöser der Infektion identifiziert worden, beim zweiten Mal ein Klebsiella-Stamm. Damit ist die Definition einer Reinfektion erfüllt.

 

 

INFEKTIONSWEGE

 

Bakterien gelangen auf ganz normalen Wegen in den Menschen. Sie werden z.B. eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen, sie leben als normale Mitbewohner (=Kommensalen) auf unserer Haut und dringen bei Verletzungen in und durch die Haut ein oder sie werden über die Schleimhäute des Mund-Nasen-Rachen-Raumes bzw. der Genitalorgane aufgenommen. Immer dann, wenn die Keime an Orte im Körper kommen, wo sie nicht hingehören, können sie eine Infektion verursachen.

 

Infektionswege

  • über die Atemwege (aerogen)
  • über Nahrungsmittel (peroral)
  • über Verletzungen der Haut
  • über die Schleimhäute des Mund-Rachen-Raumes und der Genitalorgane

Ein Mensch, der an einer Atemwegsinfektion leidet, kann bei Husten, Niesen oder "feuchter Aussprache" Bakterien oder Viren mit seinem Speichel auf andere Menschen übertragen. Man spricht bei dieser - typischen aerogenen - Übertragung von Tröpfcheninfektion. Schnupfen oder Grippe werden so übertragen; aber auch Scharlach und Angina.

Wenn die Infektionserreger bei direktem Kontakt - z.B. mit den Händen - übertragen werden, spricht man von einer Kontaktinfektion. Typische Beispiele für eine Kontaktinfektion sind die Gonorrhoe und infektiöse Durchfälle (z.B. Reisediarrhoe).

 

 

LOKALE UND SYSTEMISCHE INFEKTIONEN

 

Wenn Infektionen im niedergelassenen Bereich zu therapieren sind, handelt es sich meist um lokale Infektionen. Dabei besteht die Infektion nur in einem eng umschriebenen Körper- bzw. Organbereich  (s. "Lokalisation von Infektionen"). Die Bakterien werden bei einem lokalen Infekt nicht in andere Körperbereiche übertragen (gestreut). Als Beispiel lokaler Infektionen seien Hautinfektionen, wie Furunkel, Abszesse oder Nagelbettinfektionen, oder HNO-Infektionen, wie eine Otitis oder eine Tonsillitis genannt.
Werden die Erreger dagegen in weite Bereiche bzw. in andere Organe des Körpers ausgestreut, spricht man von einer systemischen Infektion - und das sind immer schwere lebensbedrohende Erkrankungen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.

 

 

SUPERINFEKTION

 

Von einer Superinfektion spricht man dann, wenn sich auf einen bestehenden Infekt eine weitere Infektion "aufpfropft" - also z.B. auf einen (viral bedingten!) Schnupfen eine (bakterielle) Bronchitis folgt. Dabei sind die Schleimhäute durch die Virusinfektion vorgeschädigt und die eindringenden Bakterien können nicht im erforderlichen Maße abgewehrt werden. Eine Superinfektion stellt immer eine Komplikation der Erstinfektion dar. Es kann auch nach einer bakteriellen Erstinfektion zu einer Superinfektion kommen - dann werden in der Regel solche Bakterien "superinfizieren", die gegen das zur Bekämpfung der Erstinfektion eingesetzte Antibiotikum resistent sind.

 

 

INKUBATIONSZEIT

 

Die Zeit zwischen dem Eindringen des Erregers einer Infektion und dem Auftreten von ersten Krankheitszeichen (z.B. Fieber) bezeichnet man als Inkubations- oder Latenzzeit. In gewissen Grenzen ist dieser Zeitraum typisch für bestimmte Infektionskrankheiten. Sie beträgt z.B. bei Gonorrhoe 3 bis 5 Tage, bei Scharlach 2 bis 5 Tage und bei Syphilis 14 bis 28 Tage.

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