Husten bei Kindern

Husten bei Kindern, das ist ganz häufig; bei den meisten liegt gerade in der feucht-kalten Jahreszeit eine Erkältung oder vielleicht sogar eine "richtige" Influenza- Grippe zugrunde. Es gibt aber auch andere Ursachen eines Hustens, an die Sie besonders dann denken sollten, wenn der Husten entweder immer schlimmer wird oder aber, unabhängig von Erkältungen, immer wiederkehrt.

 

 

ALLGEMEINES ZUM HUSTEN

 

Beim Husten handelt es sich zunächst eine ganz normale Reaktion des Körpers. Der Hustenreflex ist für die Atemwege ganz wichtig, um sich von Schleim, kleinen Staubpartikeln und anderen "Fremdkörpern" zu reinigen. Aber auch Keime, Rauch und kalte Luft können die feinen Sinneshärchen der Schleimhäute reizen und den Hustenreflex auslösen; dieser wird dann über das Hustenzentrum im Gehirn unbewusst gesteuert. Der stärkste Hustenreiz tritt dann auf, wenn wir uns z. B. beim Essen verschlucken und Speisereste in die Luftröhre gelangen. Über einen reflektorischen Bogen atmen wir tief ein, die Stimmritze verschließt sich, die Bauchmuskulatur ist angespannt. Kurzfristig herrscht ein hoher Druck in den Atemwegen, der den Fremdkörper explosionsartig aus den Bronchien oder der Luftröhre durch das Husten entfernt.

 

 

VERSCHIEDENE URSACHEN VON HUSTEN UND ENTSPRECHENDE SYMPTOMATIK

 

Im Rahmen einer Erkältung und einer Bronchitis ist der Husten das häufigste Symptom. Zunächst tritt er als "trockener" Reizhusten auf, weil sich noch kein Schleim in den Bronchien gebildet hat. Dann entwickelt sich der sog. "produktive" Husten, bei dem Schleim als Auswurf abgehustet wird. Geschieht dies nicht in ausreichendem Maße, können Bakterien und andere Keime den Schleim besiedeln und zu komplizierteren Entzündungen führen. Meist ist der Husten harmlos, manchmal aber rufen Viren oder Bakterien sogar Lungen- und Rippenfellentzündungen hervor, die dann nicht verschleppt werden dürfen. Auch Allergien (Blüten, Staub, Milben oder Gase usw.) können über eine Sekretabsonderung zu Hustenreiz führen. Hier tritt meist neben der reinen entzündlichen Schleimhautreaktion eine Verengung der Bronchien durch Verkrampfung der Bronchialmuskulatur hinzu. Atemnot ist dann die Folge: ein Asthmaanfall unterschiedlicher Ausprägung entsteht. Auch ein nervöser Reizhusten ist möglich. Er macht sich oft durch "Hüsteln" oder Räuspern bemerkbar und ist oft von anderen "nervösen Erscheinungen" wie Knibbeln an den Nägeln, nervöses Spielen mit Gegenständen, unruhiges Hin- und Herbewegen oder Zeichen von Verlegenheit (die Stimme wird unsicher, geht weg, die Atemtechnik ist nicht gut usw.). Psychische Faktoren spielen beim Asthmaanfall als Auslöser eine ganz entscheidende Rolle. Auch bei der Infektanfälligkeit werden psychische Überforderung und Fehlreaktionen für das geschwächte Immunsystem mit verantwortlich gemacht. Nicht zu vergessen sei das Rauchen als eine häufige Ursache des Hustens bei Erwachsenen (und auch bei Kindern von Raucherfamilien!!!). Der Zigaretten- und Zigarrenrauch führt nämlich zu einer ständigen Reizung und Schädigung der Schleimhäute im gesamten Atmungstrakt (von der Mundhöhle bis hinein in die kleinen Lungenbläschen). Bei Kindern steigt die Infektanfälligkeit und die Reizung der Bronchien deutlich an, wenn die Eltern Raucher sind. Auch nimmt die Ausprägung einer allergischen Reaktion deutlich zu; bei entsprechender Veranlagung kann Rauchen sogar ein Auslöser für ein sich entwickelndes Bronchialasthma sein. Dies alles ist durch Studien belegt! Denken Sie als Raucher also an Ihre Kinder und muten Sie ihnen nicht unnötiges Passivrauchen zu!
Bei Kindern kommen im wesentlichen Erkältungskrankheiten als Auslöser von Husten in Betracht, aber auch Keuchhusten, Pseudokrupp und Anfänge einer asthmatischen Erkrankung. Deshalb muss ein Kind mit Husten frühzeitig vom Kinderarzt untersucht und behandelt werden.

 

 

CHECKLISTE HUSTEN

 

Wie lange besteht der Husten bereits?
Wann tritt er auf?
Ist er provozierbar?
Wodurch?
Steht der Hustenreiz im Vordergrund, oder hat das Kind gleichzeitig Auswurf, also einen sog. produktiven Husten?
Wie sieht der Auswurf aus?
Ist er weißlich-gräulich und dünnflüssig? (Dies ist noch kein so schlimmes Zeichen)
Oder ist er zähflüssig, schlecht abzuhusten und gelblich-grünlich ? (Das spricht meistenteils für eine eitrige Bronchitis, die einer antibiotischen Behandlung bedarf).
Hat sich bei Ihrem Kind ein "Grippaler Infekt" bereits angekündigt? Wenn sich neben dem Husten auch Fieber und Schmerzen beim Atmen entwickeln, sollten Sie nicht länger selbst behandeln. Sonst schaden Sie Ihrem Kind u.U. mehr als Sie ihm nützen und lassen wichtige Zeit ungenutzt verstreichen.

 

Überprüfen Sie kritisch:

Besteht der Husten länger als ein paar Tage oder verschlimmert er sich?
Verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Kindes?
Ist der Husten begleitet von rötlich-blutigem Auswurf, so ist dies ein Alarmzeichen: eine schlimme Bronchitis oder sogar Lungenentzündung können sich dahinter verbergen.
Hat der Husten "keuchenden" Charakter?
Ist er begleitet von starkem Würgereiz? Dann könnte ein Keuchhusten die Ursache sein. (s.u.)

 

Wenn der Husten chronisch ist:
Hat Ihr Kind gleichzeitig Atemnot?
Gibt es Hinweise für eine allergische Veranlagung, z.B. Allergiker in Ihrer Familie?

Achtung: Husten ist bei Kindern oft das erste Anzeichen eines sich entwickelnden Bronchialasthmas.

Der abendliche Husten kann hier ein Hinweis sein. Lassen Sie also eine allergische Veranlagung und eine asthmatische Erkrankung abklären.
Haben Sie in letzter Zeit Begleiterscheinungen wie Nachtschweiß, allgemeine Leistungsminderung und Abgeschlagenheit bemerkt? Dies sollten Sie bei Ihrem Kind nicht einfach auf eine verschleppte Grippe schieben! Es kann eine ernstere Infektionskrankheit dahinter stecken. Sogar eine frische oder eine wieder aufflammende Tuberkulose z.B. kommt hier in Betracht und ist durch Reisen wieder häufiger geworden.
Wenn Ihr Kind in beheizten Räumen und trockener Raumluft öfter husten muss, so ist dies in der Regel harmlos. Wassergefäße oder allergiegeschützte Luftbefeuchter schaffen meistenteils Abhilfe. Regelmäßiges Husten während des Essens sollten Sie ebenfalls in jedem Falle ernst nehmen. Ein gestörter Schluckvorgang durch Nervenirritationen, Veränderungen im Rachenraum, an der Speise- oder an der Luftröhre können Ursachen sein.
Auch ein verschlucktes Teilchen kann Ursache von Husten, ja sogar von einer Bronchitis oder Lungenentzündung sein. Erdnüsse als Gefahrenquelle werden bei Kleinkindern hier oft unterschätzt!

 

 

MÖGLICHKEITEN DER SELBSTBEHANDLUNG EINES "NORMALEN" HUSTENS

 

Bei Erkältungskrankheiten helfen oft schon die bewährten Hausmittel:


Ätherische Öle wie z.B. Eukalyptus-, Pfefferminz- oder Thymianöl beruhigen die Schleimhaut, dämpfen den Hustenreiz und wirken schleimlösend, wenn man sie inhaliert oder auf die Haut aufträgt. Sie sind für größere Schulkinder und Jugendliche geeignet, sollten aber dem Alter entsprechend in geringeren Konzentrationen als beim Erwachsenen angewandt werden. Bei Kleinkindern sollten Sie mit ätherischen Ölen äußerst zurückhaltend sein, manche sind sogar überhaupt nicht geeignet, da die Schleimhäute leicht gereizt werden können. Hier können Sie milde Öle auch in Öllämpchen oder Verdampfern im Kinderzimmer aufstellen. Die Öle von Majoran oder Basilikum bieten sich hier eher an, ansonsten sind in niedriger Konzentration auch andere ätherische Öle möglich. Heilpflanzen wie Spitzwegerich und Isländisches Moos lindern den Hustenreiz. Hustenbonbons, harmlose Hustensäfte und Tees ebenso.


Brustwickeln:
Um Schleim und Krämpfe zu lösen, schwören manche Menschen auf warme Auflagen mit Kartoffelbrei, Pellkartoffeln, Senfmehl oder Heublumen; bei Fieber über 39°C sollten Sie jedoch keine warmen Wickeln mehr anwenden. Halten Sie Ihr Kind während und auch nach der Brustwickelphase schön warm zugedeckt und nach Möglichkeit im Bett.


Inhalationen:
Duftende Öle, Kamille (sofern keine Allergie besteht) und Kochsalzlösungen sind hier effektiv. Besser als die oft noch empfohlenen Dampfbäder  bei denen es durch den heißen Dampf, aber auch durch den Kräuterzusatz zu Reizungen der Augen kommt) sind Inhalatoren, die eine gezielte Einatmung der verabreichten Stoffe über Mund- und Nasenwege ermöglicht.

 

Abschwellende Nasentropfen und auch Nasenspülungen mit Kochsalzlösungen (mit einem gestrichenen Teelöffel Salz auf 250 ml lauwarmes Wasser (entsprechend einer 2%-igen Nacl-Lösung)) verbessern die Nasenatmung; auch die Nasennebenhöhlen werden frei und streuen weniger Keime, die Atemwegsinfekte sonst verlängern.


Hustenblocker, sog. Antitussiva, dämpfen das Hustenzentrum und damit den Hustenreflex. Verwenden Sie diese Mittel jedoch nur sehr zurückhaltend bei "trockenem Husten", bei Husten mit Auswurf würde ein Sekretstau entstehen. Expectorantien, also sekretlösende Mittel, sind Medikamente der Wahl, sofern Hausmittel keine Wirkung zeigen, um den sonst zäher werdenden Bronchialschleim zu verflüssigen und leichter abhustbar zu machen.

Vorsicht! Geben Sie diese Mittel nach Möglichkeit nicht mit den Husten dämpfenden Medikamenten. Auch hier kann ein Sekretstau entstehen und Probleme machen. In jedem Falle viel trinken! Durch erhöhte Flüssigkeitszufuhr löst sich Schnupfen- und auch Bronchialsekret besser. Tee aus Fenchel, Spitzwegerich oder Thymian lindern die Beschwerden zusätzlich. Milch mit Honig beruhigt bei Bronchitis, Kakao hat einen Inhaltsstoff, der asthmatische Symptome vermindert.

 

 

KEUCHHUSTEN (PERTUSSIS)

 

Keuchhusten ist eine nicht zu unterschätzende Kinderkrankheit. Für Säuglinge ist Keuchhusten eine z.T. lebensbedrohlichen Krankheit, die auch für Kleinkinder und Vorschulkinder wegen der auftretenden Erstickungsanfälle und des teilweise schlimmen Verlaufs zu einer starken Belastung für den Körper wird.
Aber: Der Keuchhusten, medizinisch "Pertussis" genannt, ist nicht nur eine Kinderkrankheit, sondern eine häufige Atemwegserkrankungen des Erwachsenenalters. Großeltern werden oft durch ihre Enkel angesteckt. Trotz Impfung gibt es in Deutschland jährlich ca. 9000 gemeldete Erkrankungen. Da die typischen Symptome mit keuchendem Husten und juchzender Atmung dann meist fehlen, wird an diese Diagnose beim Erwachsenen oft nicht gedacht.
Merke: Ein chronischer, mehr als 4 Wochen bestehender hartnäckiger Husten mit Schleimproduktion und Würgereiz ist auch beim Erwachsenen verdächtig auf einen Keuchhusten.

 

 

CHECKLISTE ZUR SYMPTOMATIK DES KEUCHHUSTENS

 

Die Infektion erfolgt durch Tröpfchen, die beim direkten Anhusten, auch noch in einem Abstand von 2 - 4 m, übertragen werden. Zunächst nisten sich die Keuchhusten-Bakterien im Nasen-Rachen-Raum, in der Luftröhre und im Bronchialtrakt ein. Nach 1 - 2 Wochen Inkubationszeit beginnt die Erkrankung zunächst unspezifisch mit Erkältungssymptomen. Nicht jede Infektion mit dem Keuchhustenerreger Bordatella pertussis führt zu einem Vollbild der Erkrankung.

Die Krankheit verläuft in drei Stadien. Es gibt aber auch blande Verlaufsformen.
Nach einer Infektion über Hustentröpfchen zeigt sich die Krankheit 1 - 2 Wochen später im sog. Katarrhstadium mit unspezifischem Husten und Schnupfen, evtl. mit leichter Temperaturerhöhung, aber ohne Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens. Hier ist die höchste Ansteckungsgefahr.

Im eigentlichen Krampfstadium, das 3 - 6 Wochen dauert, nimmt die Hustenstärke zu. Die Krankheitserreger fangen an, die feinen Flimmerhärchen der Bronchien zu schädigen und setzen auch Giftstoffe frei. Es kommt zu krampfartigen Hustenanfällen mit einer Serie kurzer, stakkatoartiger Hustenstöße (wie bei einem Maschinengewehr).
Anschließend folgt eine juchzende Atmung. Das typische keuchende Geräusch kommt dadurch zustande, dass der Patient nach einem Hustenkrampf versucht, schnell tief Luft zu holen, obwohl die Stimmritze des Kehlkopfes aber noch verengt ist.
Der Name "Keuchhusten" beschreibt dieses Phänomen.
Die zweite Bezeichnung "Stickhusten" beschreibt die Hustenattacken, die bis zu Erstickungsanfällen mit blauroter Verfärbung des Gesichts und lebensbedrohlichen Situationen führen können, die den Kindern Angst machen. Bei der Erkrankung wird zäher, glasiger Schleim gebildet, der nur unter Mühen abgehustet werden kann und oft nach dem Anfall hochgewürgt bzw. erbrochen wird. Nach dem Anfall besteht auch die Gefahr der Atempause, und zwar besonders bei Säuglingen und Kleinkindern. In seltenen Fällen verläuft die Krankheit sogar tödlich. Häufig sieht man Einblutungen in die Augenbindehaut und andere Gewebe.
Typische Komplikationen der Erkrankung sind Lungen- und Mittelohrentzündungen, eitrige Bronchitiden, selten auch vorübergehende oder bleibende Hirnschädigungen. Bei Kindern kommen Ernährungsprobleme hinzu: Die Flüssigkeitsverluste sind durch das Erbrechen sehr groß und können bei Säuglingen und Kleinkindern sogar bedrohlich werden. Die älteren Kinder haben besonders bei einem langen, schweren Krankheitsverlauf mit Gewichtsverlusten und vielleicht sogar mit Gedeihstörungen zu kämpfen. Eine gefühlvolle und geduldige Versorgung der Eltern und eine engmaschige Kontrolle und Behandlung durch den Arzt lassen solche Verläufe zum Glück selten werden. Eine vorbeugende Impfung im Säuglingsalter erspart den Kindern ein z.T. quälendes Kranksein.
Im letzten Krankheitsstadium ("Lösungsstadium") bilden sich die Symptome langsam zurück, die Anfälle werden seltener, und oft bleibt nur noch ein unspezifischer Husten übrig.

 

 

INFEKTIOSITÄT

 

Die höchste Ansteckungsgefahr besteht einige Tage vor dem anfänglichen Husten und Schnupfen sowie zu deren Beginn, also in den ersten beiden Wochen. Im typischen 2. Hustenstadium ist die Infektiosität deutlich geringer. Ca. 4 - 6 Wochen nach den ersten Krankheitszeichen, in seltenen Fällen erst nach 8 - 12 Wochen, besteht keine Infektionsgefahr mehr. Keuchhusten ist hochansteckend, deshalb sollten Sie den/die Erkrankte(n) von anderen Kindern und auch von älteren Menschen, die anfälliger sind, fernhalten. Schirmen Sie umgekehrt auch Ihren Säugling, Ihr Kleinkind oder ältere Familienangehörige ab, wenn ein Fall von Keuchhusten in Ihrem Umfeld bekannt wird. Säuglinge sind bei einer Infektion sehr gefährdet. Sie müssen bereits beim Verdacht einer Infektion intensiv überwacht und ggf. stationär aufgenommen werden, weil statt der Hustenanfälle nur ein leises Niesen auftreten kann und die Gefahr von plötzlichen Atemstillständen droht.

 

 

BEHANDLUNG DES KEUCHHUSTENS

 

Das Wichtigste ist die Geduld und Ausdauer der Eltern und der kleinen Patienten. Geborgenheit geben, einfach dasein, wenn man gebraucht wird, fürsorglich ein Spucktuch reichen, liebevoll und beruhigend die Hand halten und andere kleine Gesten erleichtern das Krankenlager. Viele kleine Mahlzeiten und ausreichende Flüssigkeitszufuhr lösen manches Ernährungsproblem. Frische Luft im Krankenzimmer und ein kurzes Verweilen am offenen Fenster sind angenehm. Die eigentliche Behandlung muss unter "ärztlicher Obhut" erfolgen. Hierzu gehört auch die Entscheidung, ob das Kleinkind zu Hause bleiben kann oder ins Krankenhaus muss. Durch Gabe von Antibiotika in den ersten beiden Wochen, also im ersten Krankheitsstadium, kann der Krankheitsverlauf abgemildert und die Infektionsgefahr für andere verringert werden. Die Familienangehörigen werden vorsichtshalber auch behandelt.
Schleimlösende Mittel und Inhalationen mit Mucolytika erleichtern das Abhusten. Hustenstillende Mittel (die aber auch das Abhusten des Schleims bremsen) und beruhigende Mittel soll nur der Arzt verordnen. Eine Klopfmassage für den Rücken unterstützen das Abhusten. Wohltuend, beruhigend und entkrampfend wirkt eine Massage der durch den ständigen Husten überlasteten Nacken-, Schultergürtel-, Rücken- und Bauchmuskulatur. Unter Umständen ist in schweren Fällen eine krankengymnastische Atemtherapie angezeigt zur Verbesserung der Atemtechnik, Erleichterung des Abhustens und ggf. Durchführung der o.g. Klopfmassage des Brustkorbs. Oft leisten auch Klimakammerbehandlungen gute Erfolge (Unterdruckkammer, vergleichbar einem Höhenflug im Flugzeug oder einer Gondelfahrt in die hohen Berge der Alpen).

 

 

KEUCHHUSTEN - IMPFUNG

 

Ein reiner Keuchhustenimpfstoff ist zur Zeit nicht auf dem Markt. Es gibt dafür allerdings Kombinationsimpfstoffe. Die Grundimmunisierung erfolgt im Säuglings- und Kleinkindalter mit Gabe des 6-fach Impfstoffes (Tetanus, Diphtherie, Keuchusten, HiB, Hepatitis B und Polio). Aufgefrischt wird im Alter von 6 Jahren in Verbindung mit Tetanus und Diphtherie. Für Jugendliche und Erwachsene steht ein Kombinationsimpfstoff mit Tetanus, Diphtherie und ggf. Polio zur Verfügung.
Warum soll man überhaupt impfen?
Um Kindern im Säuglings- und Kleinkindalter diese ihren Körper so belastende Krankheit zu ersparen. Besonders gefährlich ist der Keuchhusten nämlich für Säuglinge unter 6 Monaten. Sie haben noch keine typischen Hustenanfälle, allenfalls Niesattacken. Gehäuft treten aber kurze Atemstillstände auf, die lebensbedrohlich werden können. Deshalb muss bei Verdacht oder ersten Anzeichen eines Keuchhustens eine stationäre Überwachung erfolgen. Aber auch für die größeren Kinder sind die quälenden Hustenattacken, die ja bis zu 50 mal täglich auftreten und oft mit Erstickungsanfällen einhergehen können, extrem aufreibend und schwächend.

Nicht zu unterschätzen sind die möglichen Komplikationen des Stickhustens: Lungenentzündung, Mittelohrentzündung und Gehirnschädigungen durch Entzündung und Einblutung. Der Impfschutz beträgt ca. 10 Jahre.

 

 

ASTHMA

 

Asthma ist zu einer Art Volkskrankheit geworden, die sich immer mehr verbreitet. Es gibt unterschiedliche Formen; im Kindes- und Jugendalter überwiegt die allergische Form, das sog, "extrinsic", also durch äußere Faktoren ausgelöste Asthma. Nach dem 45. Lebensjahr überwiegt das sog. "intrinsic", d.h. das durch Infektionen und durch körperliche Krankheitsfaktoren verursachte Asthma. Darüber hinaus gibt es Mischformen von beiden. 7 -1 0 % der Kinder und 5 % der Erwachsenen leiden unter asthmatischen Beschwerden. Insbesondere die Zahl der allergisch bedingten Erkrankungsfälle ist steigend. Dies ist zum einen durch eine Zunahme der allergisierenden Stoffe in unserer Umwelt bedingt, zum anderen durch eine Abnahme der Infekte, die wir in unserer Kindheit und Jugend durchmachen zur Stärkung unserer Immunsystems, zum dritten durch die zum Teil sehr frühzeitige und häufige Einnahme von Antibiotika auch bei kleineren Infekten. Die Veranlagung für eine allergische Körperreaktion erbt man, die tatsächliche Ausprägung ist dann sehr unterschiedlich. Bei den sog. Atopischen Krankheiten gibt es drei Formen: den Heuschnupfen, die Neurodermitis und das Asthma. In einer Familie können bei den Generationen unterschiedliche Formen auftreten und doch besteht die gemeinsame Veranlagung. Beim Heuschnupfen-Kranken vollzieht sich häufig nach ca. zehn Jahren ein sog. "Etagenwechsel" mit Ausbildung eines allergischen Asthma. Hier nur noch eine Zahl: In der Bevölkerung gibt es ungefähr 10% Pollenflugallergiker; bei jedem Vierten von diesen entwickelt sich innerhalb von zehn Jahren eine asthmatische Erkrankung, die gefürchtet ist und der Vorbeugung und konsequenten Behandlung bedarf.
Bei einem Asthmaanfall kommt es zu anfallsartig auftretender Atemnot, z.T. mit Hustenreiz, Angst, Schweißausbruch und Unruhe. Es muss nicht immer ein dramatischer Zustand sein, auch ein anfallsartiger Husten kann sich als Erstsymptom zeigen. Besonders bei Kindern sollte man dies wissen! Der Mechanismus ist folgender: Man kann sich die Bronchien als Leitungsrohre für die Atemluft vorstellen, die rechts und links aus der Luftröhre abgehen und sich dort immer weiter bis zu den Lungenbläschen verzweigen. Hier findet der Gasaustausch, also die eigentliche Atmung der Lunge, statt. Die Bronchien können über ihre Wandmuskulatur erweitert und verengt werden. Innen sind sie mit Schleimhaut ausgekleidet. Beim Asthma wird durch komplizierte Abläufe die Muskulatur der Bronchien angespannt und so die Bronchialöffnung verengt. Darüber hinaus sondert die Schleimhaut vermehrt Schleim ab, der das Bronchialrohr verstopft. So kann die Luft nicht mehr normal transportiert werden. Diese fatale Situation ist nur durch Medikamente zu beherrschen, die die Bronchien erweitern. Hier steht eine Palette von Mitteln mit unterschiedlichem Wirkmechanismus zur Verfügung. Bei einem Asthmatiker verengen sich die Bronchien aber nicht immer maximal, sondern es gibt eine Fülle von Zwischenstufen, die sich je nach Belastung oder sonstigen Reizen in unterschiedlichem Ausmaß bemerkbar machen. Frühsymptome zu erkennen und das Vollbild eines schweren Asthmaanfalls abzuwarten, das muss der Kranke lernen. Treten im Kindesalter nachts häufiger Husten oder Erstickungsanfälle auf, soll in jedem Falle ein Kinderarzt oder ggf. ein Allergologe abklären, ob ein Bronchialasthma vorliegt, denn die frühzeitige Erkennung ist ja lebenswichtig. Es gibt viele diagnostische Möglichkeiten, dem Krankheitsbild auf den Grund zu kommen: über Lungenfunktionstests, körperlich-klinische Untersuchungen, Allergietestverfahren an der Haut, an den Bronchien und im Blut usw...
Die frühzeitige und konsequente Therapie ist, wie man nicht genug betonen kann, entscheidend und muss individuell erfolgen. Nach Meinung aller mit der Asthmatherapie beschäftigter Ärzte sind die entzündungshemmenden cortisonhaltigen Inhalationssprays und die die Bronchien erweiternden Medikamente die unverzichtbaren Säulen des modernen Asthma - Managements. Die zentrale Rolle der cortisonhaltigen Präparate, die inhaliert werden und direkt vor Ort wirken, sei besonders betont. In vielen Fällen können so Extremsituationen vermieden werden, in denen sonst Cortison-tabletten und -spritzen notwendig sind.
Bei Allergikern ist u.U. eine Behandlung nach der Bioresonanzmethode in Erwägung zu ziehen, um das Immunsystem zu stärken und nachgewiesene Allergien zu behandeln. Auch das Meiden der sog. Allergene (z.B. durch Nahrungsumstellung, Austausch der Matratze oder Verzicht auf Spaziergänge im Freien während der Pollenflugzeit) unterstützen die sonstigen Behandlungsmaßnahmen nachhaltig. Weitere unverzichtbare Therapiesäule ist die Führung, Betreuung und Anleitung der Patienten und ihrer Angehörigen, so dass sie lernen, Medikamente richtig anzuwenden, gezielt einzusetzen und Ängste abzubauen. Darüber hinaus müssen sie über das Krankheitsbild aufgeklärt sein, um erste Anzeichen eines Asthmaanfalls rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. Dies alles ist Ziel und Inhalt von Patientenschulungen, die im Rahmen stationärer Aufenthalte, aber auch ambulant angeboten werden. Sie umfassen eine medizinische, psychologische und atemtherapeutische Betreuung. Auch solche Fragen wie die nach der Vorbereitung auf sportliche Aktivitäten, Klimawechsel, anderen Lebensrhythmus usw. werden hier beantwortet. Jeder Patient sollte Strategien erlernen, sich selbst zu beruhigen und Ruhephasen in seinen Alltag zu bringen. Hier seien wie etwa das autogene Training, musiktherapeutische Verfahren, meditative Formen und auch Stressbewältigungsprogramme erwähnt. Der Kontakt zu Selbsthilfegruppen vermittelt das Gefühl, nicht allein zu sein und von in gleicher Weise Betroffenen Hilfe, Rat und Beistand zu bekommen.

 

 

LITERATURHINWEISE

 

Asthma - Wissen hilft
Patientenbroschüre der ASTRA GmbH
22876 Wedel

Prof. Dr. D. Nolte: Asthma - Verlauf, Ursachen, Behandlung
TRIAS - Verlag
Stuttgart
ISBN 3 89373-311-6,

 

St. Theiling, Dr .R. Szczepanski , Dr. Th. Lob-Corzillus: Der Luftikurs für Kinder mit Asthma
TRIAS - Verlag
Stuttgart
ISBN 3-89373-349-3

 

Dr. H. Markus: Pseudokrupp und Asthma bei Kindern natürlich behandeln
Gräfe und Unzer Verlag
München
ISBN 3-7742-1466-2,

 

Dr. Gisela Bremer: Aus der Praxis einer Kinderärztin
rororo Taschenbücher
Rowohlt- Verlag
Reinbek
ISBN 3 499 18388 9

 

 

KONTAKTADRESSEN

 

Deutsche Liga zur Bekämpfung der Atemwegserkrankungen e.V.
Postfach 1280
33175 Bad Lippspringe
Tel.: 05252/ 28501

 

Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.
- Bundesverband -
Westerholter Str. 142
45892 Gelsenkirchen
Tel.: 0209 / 30530

 

Allergiker - und Asthmatikerverband e.V.
Hindenburgstr.10
41061 Mönchengladbach
Tel.: 02161 / 10207

 

Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind e.V.
Hauptstr.29
55758 Herborn
Tel.: 02772 / 41237

 

Selbsthilfegruppe Eltern allergiekranker Kinder
Billigerstr.43
53879 Euskirchen
Tel.: 02251 / 65246

Wir sind für Sie da:

Dr. med. Markus Reuland
Weiser Str. 37
56566 Neuwied

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