Heiserkeit

ALLGEMEINES

 

Heiserkeit entsteht in den meisten Fällen durch eine Entzündung der Kehlkopfschleimhaut und der Stimmbänder, am häufigsten im Rahmen einer Erkältung, und klingt anschließend auch wieder ab. Meist bildet sich Schleim, der sich auf die Stimmbänder legt und sie daran hindert, die Stimmritze in gewohnter Weise zu weiten und zu verschließen. Es resultiert das uns allen bekannte heisere Krächzen unterschiedlicher Intensität. In schlimmen Fällen kommt gar keine Lautbildung mehr zustande, der Patient flüstert nur noch. Da die Wortaussprache durch die Zungen- und Gesichtsmuskulatur gestaltet wird, kann der Zuhörer die flüsternd gesprochenen Worte trotzdem noch verstehen.
Aber auch die trockene Entzündung kommt vor, bei der die Betroffenen das typische Kratzen im Hals empfinden und sich oft räuspern, um das unangenehme Gefühl zu überwinden. Stimmbandpolypen (das sind Verdickungen) entwickeln sich, wenn die Entzündungsprozesse (welcher Genese auch immer) nicht abklingen und chronisch werden. Die im Volksmund als "Sängerknötchen" bekannten Wucherungen bilden sich bei einer dauerhaften Überanstrengung aus.

Merke: Die Heiserkeit ist als Symptom immer ernst zu nehmen und nur über kurze Zeit selbst zu behandeln. Jede Heiserkeit, die länger als eine Woche besteht und nicht nachlässt, muss ärztlich abgeklärt werden. Die Ursachen können vielfältig sein und eine Erkrankung des Sprechapparates selbst, aber auch dessen Umgebung, als Auslöser haben.

 

 

URSACHEN FÜR HEISERKEIT

 

  • Virusinfekte der oberen Atemwege im Rahmen einer Erkältung oder Grippe mit Entzündung von Kehlkopf und Stimmbändern
  • Chronische Reizung und Entzündung der Stimmbänder bei Rauchern
  • Akute Reizung durch starke Kälte oder durch eingeatmete Stäube, Dämpfe, Rauchwolken usw.
  • Zu trockene und warme Raumluft und zu geringe Trinkmenge. Die Schleimhäute der oberen Atemwege trocknen aus und werden leichter anfällig für Infekte und Entzündungen
  • Allergien
  • Chronische, meist durch die berufliche Tätigkeit bedingte Einatmung von chemischen Reizstoffen. Vorsicht ist aber auch beim Heimwerken geboten: Atemschutzmasken im Bedarfsfall auch zu Hause nicht vergessen!
  • Dauerbeanspruchung des Sprechapparates beim Schreien, lauten Sprechen oder Singen über einen längeren Zeitraum (bei einer Feier, Sportveranstaltung, öffentlichen Rede etc.)
  • Überlastung von Kehlkopf und Stimmbändern bei Menschen mit "sprechenden" oder singenden Berufen mit Fehlbelastung der Stimmbänder durch falsche Atem- und Sprechtechnik
  • Stimmbandknötchen oder sonstige gutartige Wucherungen
  • Bösartige Tumoren der Stimmbänder, des Kehlkopfs oder seiner Umgebung
  • Lähmung des Nervs, der für die Bewegung der Stimmbänder und die Öffnung und Schließung der Stimmritze verantwortlich ist. Im Rahmen einer Schilddrüsenerkrankung und -operation kann er geschädigt werden. Es handelt sich um den sog. Recurrens - Nerv, der an der rechten und linken Halsseite in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden Schilddrüsenlappen verläuft und bei einer Kropfbildung, besonders aber auch bei bösartigen Tumoren der Schilddrüse oder der umliegenden Gewebe in Mitleiden-schaft gezogen wird
  • Psychische Faktoren, die die Stimme versagen oder sie belegt und heiser klingen lassen (Unsicherheit, Nervosität, Angst etc.)

 

 

DIAGNOSTIK

 

Der erste Weg sollte zum Kinderarzt führen, damit dieser abklärt, ob die Heiserkeit mit einem grippalen Infekt und Entzündungen der oberen Atemwege zusammenhängt. Auch eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung kann verantwortlich sein, wenn sie immer wieder Keime streut. Anschließend wird u.U. nach anderen Ursachen gesucht. Ist nicht eine Erkältung oder ein anderer viraler Infekt die Ursache der Heiserkeit, wird der Patient zur weiteren Diagnostik zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt geschickt. In unklaren Fällen muss eine Spiegelung des Kehlkopfes und der Stimmbänder, eine sog. Laryngoskopie, durchgeführt werden, um die Stimmbandfunktion zu überprüfen und krankhafte Veränderungen an Stimmbändern und Kehlkopf aufzuspüren. In seltenen Fällen sind dann weiterführende Untersuchungen auch mit bildgebenden Röntgenverfahren notwendig. Je nach Befundkonstellation richtet sich dann natürlich die Therapie.

 

 

BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

 

In den meisten Fällen ist ja zum Glück ein Infekt für die Heiserkeit verantwortlich. Man kann daher zunächst mit bewährten Hausmitteln versuchen, selbst zu behandeln.

  • Wärme für den Hals durch einen Schal oder warme Halswickeln
  • Gurgeln mit Kamille oder Salbei zu Behandlung der Entzündung, mit Salzlösung, um die Schleimhaut anzufeuchten
  • viel trinken
  • warmer, mäßig gesüßter Tee oder warme Milch mit Honig als "Balsam" für die Stimme
  • Lutschtabletten (Thymian, Primel, Isländisch Moos oder Emser Salz), um den Speichelfluss anzuregen, ebenso Kräuterbonbons z.B. Salbei oder Fruchtbonbons mit wenig Zucker z.B. von schwarzen Johannisbeeren
  • Lösung des Schleims durch Inhalationen mit Emser Salz - oder Sole- Lösungen. Bei "trockener" Heiserkeit Inhalationen nur nach Rücksprache mit dem Arzt, da sie hier oft mehr schaden als nützen.
  • Halstabletten und Lösungen mit den desinfizierenden Wirkstoffen Chlorhexidin, Hexedin, Dequaliniumverbindungen u.a.m.
  • Lutschtabletten mit antibakteriell wirksamen Stoffen wie Tyrothricin, Bacitracin etc. Häufig sind auch den Schmerz lindernde Inhaltsstoffe enthalten und Enzyme, die klebende und eitrige Schleimhautbeläge lösen sollen.
  • Antibiotika werden vom Arzt bei entzündlichen Prozessen verabreicht, bei denen sich Bakterien zusätzlich angesiedelt haben und zu Komplikationen führen können.
  • Ausschaltung psychischer Ursachen von Heiserkeit durch Analyse der eigenen Persönlichkeitsstruktur, der Situationen, in denen Heiserkeit entsteht oder die Stimme versagt usw.. Anschließend je nach Ursache Entspannungstraining, Rhetorik-Schulung, psychologische Betreuung oder in manchen Fällen auch Verhaltenstherapie.
  • Mit modernen operativen Maßnahmen sind Stimmbandpolypen und -wucherungen heute leicht und in der Regel komplikationslos zu entfernen. Auch wenn fremdes Gewebe auf die für die Stimmbandtätigkeit verantwortlichen Nerven drückt, gibt es gute operative Möglichkeiten, dies zu beheben. Auch die Tumor-chirurgie im Kehlkopfbereich ist inzwischen sehr ausgefeilt, so dass auch bei fortgeschrittenen Prozessen oft noch gute Therapiechancen bestehen. Hier ist anschließend meist eine Mitbehandlung durch Sprachtherapeuten erforderlich, um die Verständigungsmöglichkeiten zu erhalten.

 

 

VORBEUGUNG EINER ÜBERANSTRENGUNG

 

Bei einer starken Beanspruchung der Stimme ist die richtige Sprech- und Atemtechnik das Wichtigste. Dies kann man am besten bei speziell ausgebildeten Fachleuten erlernen. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten: wenn man noch gesund ist und seine Stimme trainieren will, bieten sich sog. Rhetorik- eminare an, liegt bereits eine Erkrankung des Stimmapparates vor, so ist eine Betreuung durch Logopäden oder Sprachtherapeuten erforderlich. Bei vielen Institutionen der Erwachsenenbildung überall im Land werden inzwischen Rhetorik-Seminare angeboten, die neben dem reinen Sprachtraining auch das eigene Darstellungsvermögen, die geschickte Formulierung der eigenen Gedanken und auch die Körpersprache schulen. Darüber hinaus machen sie die Wirkung von gesprochenem Wort und Gestik auf den Zuhörer bewusst. Mit einem solchen Seminar werden also neben der ökonomischen Atem- und Sprechtechnik auch psychologische Fertigkeiten vermittelt, die man beruflich und auch privat vorbeugend anwenden kann, damit in schwierigen Situationen die Stimme nicht versagt. Logopäden und Sprachtherapeuten behandeln bereits vorhandene Störungen, damit entweder eine Verschlimmerung verhindert oder aber eine Wiederherstellung des alten Zustandes erreicht werden kann. Diese Therapie erfordert u.U. einen hohen Einsatz von Patienten und Therapeuten. In jeder größeren HNO-Klinik oder Abteilung, in Reha- Zentren und in vielen Krankenhäusern findet man logopädische Abteilungen. Auch die Zahl der niedergelassenen Logopäden und Sprachtherapeuten wächst, die eine Kassenzulassung haben und damit jeden Patienten auch ambulant betreuen können. Nur zum Verständnis noch eine Anmerkung: Logopäden und Sprachtherapeuten haben einen etwas unterschiedlichen Ausbildungsweg und werden deshalb von uns einzeln erwähnt.

 

 

WANN MUSS MAN UNBEDINGT ZUM ARZT?

 

Wenn die Heiserkeit über mehr als eine Woche anhält und trotz Selbstmedikation nicht rückläufig ist. Wenn die Stimme häufig "belegt" ist und chronische Nasennebenhöhlen-Entzündungen bekannt sind (die immer wieder Keime in Richtung Kehlkopf streuen und deshalb antibiotisch behandelt werden müssen). Wenn sich häufig Heiserkeit einstellt und die Stimme nie wieder ihren normalen Klang annimmt. Wenn man plötzlich heiser geworden ist ohne erkennbaren Grund (Erkältung etc.). Wenn nach einer Intubationsnarkose die Stimme nicht "wiederkommt". Wenn die Heiserkeit zunimmt und eventuell von anderen Krankheitssymptomen wie leicht erhöhter Temperatur, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust oder Sonstigem begleitet ist. Wenn eine Halsschwellung, vergrößerte Lymphknoten oder eine Vergrößerung der Schilddrüse bemerkt werden.

 

 

LITERATURHINWEISE

 

M. Röttgen. E. Miethe : Wenn die Stimme nicht stimmt ...
Symptome, Ursachen und Therapie; Bedingungen und Wirkungen der Stimme. Die Stimme im Beruf.
TRIAS - Verlag
Stuttgart
ISBN 3-89373-230-6

 

M.Röttgen, ME. Miethe : Stimmübungen - Ein Basisprogramm für die belastete oder geschädigte Stimme zur Vorbeugung und Stabilisierung -
Tonkassette mit Begleitheft
TRIAS - Verlag
Stuttgart
ISBN 3-89373-100-8

 

P. Wenzel : Hausapotheke
Gräfe und Unzer - Verlag
München
ISBN 3-7742-2895-7

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