Schwerhörigkeit bei Kindern

Wenn Kinder schlechter hören, so hat dies meistenteils mit einer starken Erkältung zutun, bei der das Mittelohr mit angegriffen ist. Meist wird hier die normale Schallleitung durch einen Erguss behindert. Wichtig ist, dass sie konsequent behandelt und nicht verschleppt wird. Die Folgen können gravierend sein, die Sprachentwicklung verzögern und die Lernfähigkeit einschränken. So manche Lernschwäche geht auf diese zu spät erkannte Ergussbildung zurück und könnte so einfach verhindert werden!
Wird die Entzündung des Mittelohres verschleppt, resultieren meist bleibende Hörschäden. Bei einer Erkältung kann das Hörvermögen gemindert sein, auch wenn der letzte Hörtest in Ordnung war!
Also im Zweifelsfall lieber noch einmal wiederholen lassen!
In den seltensten Fällen besteht bei Kindern tatsächlich eine vererbte Schwerhörigkeit oder Taubheit. In allen Fällen sind die Behandlungsmethoden aber inzwischen gut, so dass das Kind bei guter therapeutischer Führung eine normale geistige und psycho-soziale Entwicklung nimmt.

 

 

ALLGEMEINES ZUM HÖRVORGANG

 

Das äußere Ohr besteht aus Ohrmuschel und äußerem Gehörgang. Das Trommelfell schafft eine Abdichtung zum Mittelohr, an das sich das Innenohr anschließt. Beim normalen Hörvorgang treffen Schallwellen über die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang auf das Trommelfell und bringen dieses zum Schwingen. Die Gehörknöchelchen des Mittelohres, nach ihrer Form Hammer, Amboss und Steigbügel genannt, verstärken die kaum wahrnehmbare Bewegung des Trommelfells und übertragen sie auf das Innenohr, wo Flüssigkeit in Schwingungen gerät und ihrerseits feinste Sinneshärchen mit Nervenzellen erregt. Als Nervenimpulse werden die akustischen Informationen zum Gehirn geleitet und dort in einer engen Zusammenarbeit von verschiedenen Zentren zu Hör- und Spracheindrücken verarbeitet. Das Zusammenspiel von gutem Hören und gezielter Sprachentwicklung im Kindesalter ist also ganz offensichtlich.

 

 

FORMEN VON SCHWERHÖRIGKEIT

 

Man muss grundsätzlich unterscheiden zwischen Störungen der Schallleitung (hier sind der äußere Gehörgang oder das Mittelohr betroffen) und Störungen der Schallempfindung (dies betrifft die kleinen Sinneshärchen im Innenohr, die Nervenbahnen zur Reizweiterleitung an das Gehirn oder die Reizverarbeitung im Gehirn selbst; also die Vernetzung des Hörzentrums mit den Sprach-, Erinnerungs- und Erkennungszentren des Gehirns).

 

Ursachen für Schallleitungsstörungen:

  • Verletzungen an Gehörgang, Trommelfell oder Mittelohr
  • Ohrenschmalzpfropfen
  • Tuben-Mittelohr-Katarrh oder Mittelohrentzündung bei Erkältung
  • chronische Mittelohrentzündung
  • Veränderungen an den Gehörknöchelchen: Beim Kind besteht meist von Geburt an eine Fehlanlage; zum Glück gibt es hier in vielen Fällen schon oft operative Möglichkeiten durch Implantate etc.. Bei den Erwachsenen versteifen die Gehörknöchelchen mit zunehmendem Alter und führen zu fortschreitendem Hörverlust
  • Entzündungen am äußeren Gehörgang usw.

 

Ursachen für Schallempfindungsstörungen:

  • Lärm ist die häufigste Ursache für erworbene Hörschäden. 85 Dezibel reichen hier schon aus, wenn sie über längere Zeit auf das Ohr einwirken. Zum Vergleich: Bei einer Unterhaltung entstehen ca. 60 Dezibel. Auf einer befahrenen Straße ca. 80 Dezibel. Ein MP3-Player produziert durchschnittlich 95 Dezibel. Bei einem Rockkonzert werden spielend 100 Dezibel überschritten. Ein lauter Lastwagen fährt in 5 Meter Entfernung mit ca. 90 Dezibel vorbei. Beachte: Laute Musik in Discos oder Techno-Musik aus den eigenen Lautsprechern mit Verstärker können einen Hörschaden hervorrufen! Auch Schlagzeugspielen, das bei Kindern zunehmend beliebter wird, nur mit Gehörschutz! Jeder siebte deutsche Jugendliche leidet unter einer Minderung des Hörvermögens, meistens ist zu laute Musik in Diskos und aus MP3-Playern der Auslöser gewesen.
  • Vererbung mit unterschiedlichsten Formen von Fehlbildungen des Innenohres oder der Reizverarbeitung
  • Verletzungen
  • chronische Mittelohrentzündungen mit Übergreifen aufs Innenohr
  • Hirnhautentzündungen
  • Hirntumoren

 

 

AKUTE MITTELOHRENTZÜNDUNG

 

Eine akute Mittelohrentzündung haben die meisten von uns schon durchgemacht. Wichtig ist, dass sie konsequent behandelt und nicht verschleppt wird, damit sie nicht chronisch wird und keine bleibenden Hörschäden resultieren. Bei Kleinkindern kann aus einer chronischen Entzündung auch eine verzögerte Sprachentwicklung ergeben,
weil die stimulierenden Höreindrücke nur verzerrt oder gar nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Man muss aber nicht resignieren, auch wenn es schon zu Veränderungen des Mittelohres mit Beeinträchtigung des Hörvermögens gekommen ist; denn mit Hilfe der modernen mikrochirurgischen Operationen können am Mittelohr gute Therapieerfolge erzielt werden.

 

Ursachen:

Die Entzündung des Mittelohres ist eine der häufigsten Krankheiten, die sich im Kindesalter einstellen. Im Rahmen von Erkältungen kommt es besonders leicht zu einer aufsteigenden Infektion, da zwischen Nasen- Rachen-Raum und Mittelohr eine Verbindung, die Ohrtrompete (auch Eustachische Röhre genannt) besteht. Normalerweise soll über sie eine Belüftung des Mittelohres erfolgen. Wenn die Schleimhäute insgesamt anschwellen und Sekrete bilden, verschließt sich auch die Ohrtrompete nach und nach; das gebildete Sekret fließt nicht mehr ab, andere Keime satteln sich auf: Der Nährboden für eine eitrige Entzündung ist geschaffen. Besonders bei kleinen Kindern.

 

Symptomatik:

Ganz starke, stechende Ohrenschmerzen; Fieber, ausgeprägtes Krankheitsgefühl; bei Kleinkindern oft nur Wimmern, Unruhe, Nahrungsverweigerung, manchmal sogar Übelkeit und Erbrechen.

 

Behandlung:

abschwellende Maßnahmen, homöopathische Mittel oder Antibiotika (je nach Einschätzung des Arztes). Bei Kindern evt. operative Maßnahmen bei Paukenerguss, schmerzstillende Mittel, Ohrentropfen und sonstige symptomatische Maßnahmen nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

 

 

CHRONISCHE MITTELOHRENTZÜNDUNG:

 

Am meisten sind Kleinkinder (1-5 Jahre) und Erwachsenen nach dem 40. Lebensjahr betroffen. Auch hier ist die Hörminderung ein Hauptsymptom. Die beste Vorbeugung ist eine gezielte Behandlung einer akuten Entzündung.

 

Symptomatik:

Keine ausgeprägten Schmerzen. Eitriger Ausfluss aus dem Ohr, dies kann ständig auffallen, aber auch nur sporadisch bemerkt werden. Ein Loch im Trommelfell ist das Ablaufventil für das Sekret, aber auch die Eintrittpforte für neue Keime. Ein zunehmender Hörverlust durch die langzeitiger Entzündung, weil zum einen die Eiteransammlung, zum anderen aber auch die entzündlichen Veränderungen an den Gehörknöchelchen dies bewirken können. Geräusche im Ohr oder ein dumpfes Gefühl wie bei einer Wasseransammlung sind möglich.

 

Ursachen:

  • Verschleppte akute Mittelohrentzündung
  • nicht ganz konsequente oder sachgemäße Behandlung in der Akutphase
  • resistente Keime, die auf die bisherige Behandlung nicht ansprachen
  • Angeborene Veränderungen von Trommelfell, Mittelohr oder Ohrtrompete
  • vermehrte Anfälligkeit der Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums und des Mittelohres
  • wiederkehrende Erkältungskrankheiten mit schlechter Belüftung des Mittelohres über die Eustachische Röhre, weil eine zu starke Schleimhautschwellung und Sekretbildung vorliegen
  • Verletzung des Trommelfells z.B. durch falsche Reinigung. Über das entstandene Loch, die immer wieder eindringenden Keime (z.B. beim Schwimmen) und die ständig fortbestehende Entzündung entwickelt sich ein Teufelskreis.

 

Komplikationen:

Das Loch im Trommelfell kann als Eintrittspforte für Keime bestehen bleiben. Die Gehörknöchelchenkette wird so verändert, dass sie ihre normale Funktion der Schallleitung immer schlechter wahrnehmen kann. Eine nicht mehr nur vorübergehenden, sondern eine dauerhafte Hörschädigung. Die Entzündung kann auf andere, auch knöcherne Strukturen übergreifen, z.B. auf den Warzenfortsatz, der hinter dem Ohr liegt, aus mit Luft gefüllten Hohlräume besteht und für das Hören ebenfalls wichtig ist. Die Entzündung kann sich auch weiter ausbreiten und zu einer Beteiligung der Hirnhäute führen.

 

Behandlung:

Reinigung und Trocknen des Ohres, Ohrentropfen bei Schmerzen, abschwellende Maßnahmen (also Tropfen gegen Schnupfen), Antibiotika, Vermeiden, dass Wasser oder sonstiges ins Ohr dringt.

 

Möglichkeiten der Operation:

Dank der modernen operativen Möglichkeiten sind die Therapieerfolge sehr gut. Schon bei der akuten Entzündung im Kindesalter, bei der es häufig zum Paukenerguss mit
Hörminderung kommt, kann durch abschwellende Maßnahmen und einen leichten Einstich ins Trommelfell (med. "Paracentese") eine Entlastung erfolgen und eine Wiederherstellung der normalen Hörwahrnehmung erreicht werden. Dies ist für die Sprachentwicklung gerade beim Kleinkind so wichtig, dass man es gar nicht oft genug betonen kann. Manchmal wird noch ein Röhrchen eingelegt, damit das eitrige Sekret in Ruhe aus dem Mittelohr abfließen kann, ohne dass sich das Trommelfell zu schnell wieder schließt.
Die Operation ist harmlos und wird von Kindern gut toleriert. Bei Kindern kann es erforderlich werden, die im Volksmund als Polypen bezeichneten Rachenmandeln zu entfernen, um die Öffnung der Ohrtrompete zu weiten.

 

 

KINDERGESUNDHEIT UND VORSORGEUNTERSUCHUNGEN

 

Normalerweise werden gesundheitliche Schäden wie Haltungsschwächen, motorische Störungen, hormonelle Fehlfunktionen , Seh-, Hör- und Sprachfehler bei den Routineuntersuchungen des Kinderarztes (U1 - U9) erkannt und können so frühzeitig behandelt bzw. korrigiert werden.
Leider werden diese Vorsorgeuntersuchungen aber nicht von allen Eltern wahrgenommen, so dass geistige und körperliche Entwicklungsverzögerungen zu spät und im schlimmsten Fall erst bei der Einschulungsuntersuchung auffallen. Deshalb sei an dieser Stelle nochmals an alle Eltern appelliert, auch die letzten Untersuchungen im Alter von ungefähr 4 Jahren (U8) und mit ca. 5 Jahren ( U9) auf keinen Fall zu vergessen. Werden bei der Einschulungsuntersuchung irgendwelche Besonderheiten festgestellt, so sollte man die Ratschläge des Schularztes unbedingt befolgen und die entsprechenden Fachärzte aufsuchen.

ACHTUNG: Immer wieder stellen die Ärzte bei den Schulanfängern fest, dass sie schlecht sehen oder hören können und eigentlich schon eine Brille oder ein Hörgerät gebraucht hätten. Hörstörungen haben oft einen harmlosen Grund: zu große Polypen, die leicht operativ zu entfernen sind, oder einen Erguss im Mittelohr, der nach einer Erkältung die Schallleitung erschwert. Werden Seh- oder Hörstörungen nicht rechtzeitig vor Schulbeginn erkannt, fehlt eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen guten Lernerfolg und ein ungehindertes Zurechtkommen in der Schule. Leistungsschwierigkeiten und Schulstress sind vorprogrammiert.

 

MERKE:

Häufiges Nachfragen oder unpassende Antworten im Gespräch, wenig Reaktion bei Ansprache und unvollständige oder falsche Wiedergabe von Erzählungen deuten auf schlechtes Hören hin. Ein vor kurzer Zeit noch unauffälliger Hörtest schließt einen Hörverlust durch einen Paukenerguss im Rahmen einer Erkältung nicht aus. Fragen Sie daher bei jeder neu auftretenden Hörstörung Ihren Arzt um Rat.

 

Stockendes Lesen, viele Fehler beim Abschreiben, häufiges Verwechseln von Zahlen oder Buchstaben, Überschreiten der Linien beim Schreiben, Augenreiben, Augenzwinkern und das Schneiden von Grimassen beim Lesen, wenig Abstand des Kopfes vom Schreib- bzw. Leseheft sind einige alarmierende Hinweise für schlechtes Sehen.

 

 

TAUBHEIT

 

Taubheit liegt vor, wenn kein Hören mehr möglich ist. 600 Kinder und mehr werden jährlich ohne Hörvermögen geboren; ca. 200 verlieren ihr Gehör im Laufe der Kindheit, eine Ursache sind Hirnhautentzündungen. Die Gehörlosen sind in Deutschland gut organisiert in Selbsthilfegruppen. Ca. 80 000 Menschen sind bei uns betroffen. Liegt in der Familie eine Veranlagung zur Taubheit vor, so kann man in einem genetischen Beratungsgespräch abklären lassen, wie hoch das Risiko für die eigenen Kinder ist. Wichtig für taub geborene Kinder ist eine rechtzeitige Erkennung ihres Zustandes und eine gezielte Förderung, damit sie nicht in ihrer geistigen Entwicklung und ihrem Sprachvermögen zurückbleiben. Auch die Sozialkontakte können sich sonst nicht entwickeln. Daher wird seit einigen Jahren bei allen Säuglingen die OAE (otoakustische Emissionen) - Messung durchgeführt. Dabei wird eine kleine Sonde in den äußeren Gehörgang eingeführt, die wiederholt Töne abgibt. Die Schallwellen dieser Töne werden durch feine Haarzellen vom Innenohr wieder zurück ins äußere Ohr übertragen. Dort werden die Schallwellen von einem an der Sonde befestigten Mikrofon aufgenommen. Die OAE-Messung dauert nur wenigen Minuten. Idealerweise wird sie in ruhiger Umgebung und wenn das Baby schläft durchgeführt. Selbst leise Geäusche wie z.B. Sauggeräusche können die Messung behindern.
Durch spezielle Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen für Hörgeschädigte haben sich die Chancen für eine relativ normale Entwicklung des Kindes deutlich verbessert. Operative Maßnahmen sind die Methode der Wahl, wenn beide Ohren taub sind. Ein häufiges Verfahren: Man kann ins Innenohr sog. Cochlea-Implantate einführen, die die geschädigte eigene Hörschnecke ersetzen und dann zu guten Therapieresultaten führen. Es gibt verschiedene, je nach Befund, andere mikrochirurgische Verfahren, die individuell angewandt werden und zu Erfolgen führen. Hörgeräte helfen zusätzlich. Sogenannte Ablesekurse, bei denen die Betroffenen lernen, von den Lippen des Gesprächspartners abzulesen, sowie das Erlernen der Gebärdensprache sind wichtige Pfeiler zur sozialen Integration.

 

 

LITERATURHINWEISE

 

G. Brehmer: Aus der Praxis einer Kinderärztin
rororo - Verlag
ISBN 3 - 499 18388 9

 

N. Schaenzler: Naturheilmittel für Kinder
Südwest - Verlag
München
ISBN 3- 517 -08055

 

G.Teusen: Entspannung für ihr Kind
Falken - Verlag
Niedernhausen
ISBN 3-635- 60359- 7

 

Corazza, Daimler u.a.: Kursbuch Gesundheit
Verlag Kiepenheuer und Witsch
Köln

 

B. Nees- Delaval: Wenn Kinder krank werden
Falken - Verlag
Niedernhausen

 

P. Wenzel: Hausapotheke
Gräfe und Unzer - Verlag
München

 

 

KONTAKTADRESSEN UND ANLAUFSTELLEN FÜR WEITERE

INFORMATIONEN

 

Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, HNO-Kliniken mit speziellen Ambulanzen für Schwerhörigkeit, Hausärzte, Kinderärzte, Kinderkliniken

 

Bundesverband der Eltern und Freunde hörgeschädigter Kinder e.V.
Pirolkamp 18
22397 Hamburg
Tel: 040 / 60 70 344
Fax: 040 / 60 72 361

 

Deutscher Schwerhörigenbund (DBS)
Wagnerstr. 42
22081 Hamburg
Tel.: 040 / 29 16 05
Fax: 040/ 2 99 72 65

 

Deutscher Gehörlosenbund
Paradeplatz 3
24768 Rendsburg
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Fax 04331 / 58 97 45

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