Eisenmangelanämie

ALLGEMEINES ZUM EISENSTOFFWECHSEL

 

Das Eisen unseres Körpers ist vornehmlich an Hämoglobin gebunden, (dieses wird mit Hilfe von Eisen als zentralem Element gebildet), 1g Hämoglobin enthält ungefähr 3,4 mg Eisen. Das bedeutet, dass ein Mann, der 70 kg wiegt, und einen Hämoglobinwert von 15g pro 100 ml Blut besitzt, bei einer Menge von 5 Liter Blut, die im Körper zirkuliert, einen Hb-Eisengehalt von 2,55 g hat.

Und noch ein paar Angaben zu unseren Eisenvorräten im Körper: Das Eisen ist zu ungefähr 70 % an das erwähnte Hämoglobin - also den roten Blutfarbstoff - gebunden, zu 10 % an Myoglobin im Muskel und zu 20 % an Hämosiderin und Ferritin (das sind Speicherproteine, die sich in den Zellen der Leber, des Knochenmarks und in der Milz, der Muskulatur und anderen Geweben befinden). Transportiert wird das nicht gespeicherte und fest gebundene Eisen im Blut durch einen anderen Eiweißstoff, das Transferrin. Hier befinden sich jedoch nur ca. 0,1 % des gesamten Körpereisens - also ein minimaler Anteil. Die Transportkapazität dieses Proteins ist viel höher als die tatsächliche "Ausnutzung" durch das hier gebundene Eisen. Je nach Angebot von Eisen durch die Nahrung und nach Verbrauch wird das Eisen entweder in den Eisenspeichern "gelagert" oder aus ihnen mobilisiert.

 

 

CHECKLISTE : SYMPTOME EINES EISENMANGELS

 

Haut und Schleimhäute sind blasser als gewöhnlich, Hohlnägel, trockene Haut, Brüchigkeit von Nägeln und Haaren, Mundwinkel-einrisse und Zungenbrennen, Schwäche und belastungsabhängige Atemnot als Zeichen fehlender Sauerstoffträger im Blut, Konzentrationsschwäche, Abgeschlagenheit und Müdigkeit sind häufige Anzeichen. Es kann aber schon ein Eisenmangel bestehen, ohne dass Sie Symptome bemerken. Dies ist besonders bei einem beginnenden, leichten "latenten" Mangel der Fall.

 

 

CHECKLISTE: URSACHEN EINES EISENMANGELS BZW. EINER EISENMANGELANÄMIE

 

Merke: Es gibt zwei Ursachen für einen erniedrigten Eisenspiegel im Blut:

einmal einen tatsächlichen Mangel an Eisen, zum anderen eine gestörte Abgabe des Eisens aus dem Eisenspeicher, dies ist bei chronischen Entzündungen (z.B. rheumatischen Erkrankungen), Infekten und Tumorleiden der Fall.

 

Verminderte Eisenzufuhr durch falsche Ernährung (häufig bei Säuglingen und Kleinkindern, aber auch bei Vegetariern). Gestörte Eisenaufnahme und Verwertung aus der Nahrung bei Magen-Darm-Erkrankungen, nach Magenoperationen, bei gestörter Resorptionsleistung des Dünndarms, bei Durchfallerkrankungen usw..
Nach Blutungen mit erheblichem Blutverlust. Dies können akute Blutungen sein bei Verletzungen, aber auch Blutverluste bei Operationen. Starke Monatsblutungen kommen ursächlich in Betracht: in Europa leiden immerhin ungefähr 10% der gebärfähigen Frauen unter Eisenmangel und daraus resultierenden Anämien. Ein gesteigerter Eisenbedarf durch Wachstum, Schwangerschaft oder Stillzeit sind weitere Faktoren bei dieser Altersgruppe. Blutungen aus dem Verdauungstrakt oder anderen Organen. Aber auch kleine, immer wiederkehrende Sickerblutungen können einen nicht unerheblichen Blutverlust und damit eine ausgeprägte Eisenmangel-anämie verursachen! Nicht selten sind hier Magengeschwüre, Ausstülpungen des Darms, sog. Divertikel, oder kleine Polypen verantwortlich. Auch kleine Gefäßrisse oder entzündlich veränderte und dadurch blutende Magen- oder Darmschleimhaut kann hier verantwortlich sein. Beachte: Deshalb ist es ganz wichtig, dass bei einem unklaren Eisenmangel auch eine Magen-Darm-Diagnostik erfolgt. Bei Blutverlust besteht ein erhöhter Eisenbedarf, um die Blutreserven wieder aufzubauen. Lebererkrankungen, insbesondere die fortgeschrittene Leberzirrhose, führen u.U. in zweifacher Hinsicht zu einem Eisenmangel bzw. einer Störung des Eisenstoffwechsels: Einmal können Blutungen aus meist vorhandenen erweiterten Blutgefäßen ("Krampfadern") in der Speiseröhre erhebliche Blut- und damit Eisenverluste hervorrufen; zum zweiten kann durch die gestörte Syntheseleistung der Leber auch eine verminderte Bildung von Speicher- und Transportproteinen des Eisens resultieren und zu Problemen führen.

 

 

CHECKLISTE : DIAGNOSTIK EINES EISENMANGELS

 

Es kann schon ein Eisenmangel bestehen, ohne dass Sie Symptome bemerken.
Mediziner unterscheiden 3 Stadien :

Einen prälatenten Eisenmangel, der nur das Speichereisen betrifft und sich sonst nicht äußert.

Einen latenten Mangel, bei dem die Eisenkonzentration in Knochenmark und Blutserum erniedrigt ist und auch die Bildung der roten Blutkörperchen drosselt, ohne dass aber bereits eine "Anämie" besteht

Und einen manifesten Eisenmangel, der sich auch in einer Eisenmangelanämie äußert.

Ersten Aufschluss geben Symptomatik und Krankengeschichte Laboruntersuchungen weisen im Folgenden den Weg zur Differenzierung: Hämoglobingehalt im Blut, Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Beurteilung ihrer Form;

Bestimmung des Verhältnisses von Hb-Gehalt und Eryzahl, Serumeisenspiegel, Höhe des Speicherproteins Ferritin (das beim reinen Eisenmangel erniedrigt ist), Spiegel des Transportproteins Transferrin (beim Eisenmangel erhöht). Die Ursache muss genau abgeklärt und eine Blutung ausgeschlossen werden. Hierzu können im Magen-Darm-Trakt, im Urogenitalbereich und auch beim Gynäkologen röntgenologische oder auch endoskopische Verfahren erforderlich werden. Bei kleinen nur sickernden Blutungen kann ein Hämoccult- Test zum Nachweis von verstecktem Blut im Stuhl oft erste Anhaltspunkte geben. Blutuntersuchungen und u.U. sogar eine Knochenmarksuntersuchung können notwendig werden, um erworbene Gerinnungsstörungen als Ursache für rezidivierende Blutungen auszuschließen. Die Diagnostik muss auch Nasenbluten, Zahnfleischblutungen oder Ähnliches in die Abklärung einbeziehen und auf eine Verletzung oder eine Gerinnungsstörung hin überprüfen.

 

 

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

 

Kausal: Die Behandlung der Ursache.
Symptomatisch: Eisensubstitution. Diese ist aber nur indiziert, wenn tatsächlich ein sog. exogener, also durch mangelhafte Zufuhr bedingter oder ein durch Blutung bedingter Eisenmangel besteht.
Man gibt dann Präparate mit 2-wertigem Eisen zur oralen Einnahme, weil nur dieses über den Darm resorbiert wird (zu 20%). Die Tagesdosis beträgt zwischen 100 und 200 mg Fe(II), aufgeteilt in meist 3 Tagesdosen. Zur Auffüllung der leeren Eisenspeicher muss die Therapie über mindestens 3 Monate fortgesetzt werden. Bereits nach 8 - 10 Tagen sieht man aber erste Effekte auf die Blutbildung: Vorstufen der reifen roten Blutkörperchen (Retikulozyten) finden sich vermehrt im Blutausstrich als Zeichen einer angeregten Blutneubildung. Darüber hinaus ist eine eisenreiche Ernährung sinnvoll. Liegt eine entzündliche oder sonstige Magen-Darm- Erkrankung vor, die die Eisenaufnahme aus der Nahrung unmöglich macht, so bringt die Einnahme von Eisenpräparaten wenig; es muss dann eine Eisensubstitution im Rahmen einer Spritzen- oder Tropfbehandlung unter Umgehung des Verdauungstraktes erfolgen. Hier wird 3-wertiges Eisen verabreicht, und der Arzt muss den Bedarf genau berechnen, um toxische Wirkungen zu vermeiden (Hb-Defizit in g/dl x 250 = Gesamtdosis in mg). Spritzen in die Muskulatur bleiben extrem seltenen Fällen vorbehalten, da sie schmerzhaft sind und auch zu lokalen Hautverfärbungen führen können.

 

 

VORBEUGUNG EINES EISENMANGELS

 

Zur Beruhigung - die normale , ausgewogene Nahrung deckt den täglichen Eisenbedarf; mit gemischter Kost nimmt man ungefähr 10 - 20 mg Eisen auf. Fleisch und grüne Gemüsesorten sind die besten Eisenlieferanten; Spinat ist nicht so eisenhaltig , wie man früher annahm. Aus tierischer Nahrung, also aus Fleisch und Fisch, kann unser Körper ca. 10 - 20 mal besser Eisen aufnehmen als aus pflanzlicher. Vegetarier gehen aber auch kein Risiko ein, wenn sie genügend Milchprodukte, grüne Gemüsesorten und Vollkornprodukte zu sich nehmen. Der tägliche Eisenbedarf liegt bei 0,5 - 1 mg bei Männern und Frauen nach den Wechseljahren; bei 2 - 2,8 mg bei Jugendlichen, bei 2 - 5 mg bei Schwangeren. Über die Nahrung sollten Sie Ihrem Körper aber das Zehnfache der genannten Bedarfsmenge anbieten, da die Resorptopnsrate gering ist. Bedenken Sie, dass Tee oder Kaffee die Eisenresorption verringern, aber auch Vitamin E und vielleicht auch Milch (?). Im Buchhandel gibt es viele Kochbücher und sonstige Literatur, die sich des Themas der eisenreichen Ernährung annehmen.

 

 

NEBENWIRKUNGEN EINER EISENTHERAPIE

 

Treten bei der Einnahme von Eisentabletten Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Krämpfe oder Durchfall auf, so sollten Sie überlegen, ob Sie vielleicht die Tabletten auf nüchternen Magen eingenommen oder begleitend zur Mahlzeit eingenommen haben. Dies könnten Ursachen sein für Ihre Beschwerden. Nehmen Sie die Präparate am besten eine Stunde vor oder zwei Stunden nach dem Essen ein. Vielleicht muss die Eisenmenge aber auch reduziert werden, besonders dann, wenn die Beschwerden persistieren. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, was Sie ändern sollen. Unter Eisenpräparaten kann der Stuhlgang schwarz verfärbt sein. Dies muss man wissen, um nicht zu erschrecken. Auch sind Verdauungsprobleme möglich, Verstopfung ist hier nicht selten; ggf. ist dies Grund für eine Dosisreduktion! Bei Erwachsen kann eine zu hohe Zufuhr von Eisen auch zu Problemen führen: das überschüssige Eisen wird in Organen abgelagert; z.B. eine Leberzirrhose oder ein Diabetes mellitus können die Folge sein.

 

 

ACHTUNG:

 

Wenn Kinder Eisentabletten verschlucken, so können lebensbedrohliche Vergiftungen auftreten, die tödliche Dosis liegt bei Kleinkindern bei ca. 3 g Eisen-II-Sulfat 

 

Wir sind für Sie da:

Dr. med. Markus Reuland
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