|
Die Bindehautentzündung, medizinisch Konjunktivitis genannt, ist die häufigste Augenerkrankung überhaupt. Jeder von uns hat sie in der ein oder anderen Form schon einmal durchgemacht. Brennende,
rote Augen als erste Anzeichen zu erkennen und rechtzeitig gezielt behandeln zu lassen, das ist ganz wichtig. Meist ist diese Entzündung harmlos, in selteneren Fällen kann sie im Rahmen einer
schwerwiegenderen Erkrankung auftreten. Deshalb ist es so wichtig, zum Arzt zu gehen und Ausmaß und Ursache des "roten Auges" abklären zu lassen. Nur so ist eine erfolgreiche Behandlung
möglich.
Was ist die Bindehaut des Auges? Die Bindehaut umgibt als äußere Schutzschicht die Vorderfläche des Augapfels, spart dabei die Hornhaut allerdings aus. Sie umhüllt auch die
Innenflächen der Augenlider. Es handelt sich um eine mit Blutgefäßen reich bestückte Schleimhaut, die sehr empfindlich ist und auf äußere Reize wie Fremdkörper, mechanische oder chemische
Einflüsse oder auch Keiminfektionen sofort reagiert. Die Durchblutung wird sofort gesteigert und die Flüssigkeitsabsonderung vermehrt. Deshalb kommt der Bindehaut eine ausgeprägte Abwehrfunktion
zu, die für das Auge unverzichtbar ist.
Was ist eine Bindehautentzündung? Im Anfangsstadium fällt in erster Linie die Rötung des Auges auf, die durch eine Gefäßerweiterung und eine vermehrte Durchblutung sichtbar wird.
Darüber hinaus gibt die gereizte Schleimhaut ein wässriges, zum Teil auch schleimiges oder sogar eitriges Sekret ab. Abgegebene Eiweißstoffe und weiße Blutkörperchen aus den Blutgefäßen
wandern ein und unterhalten die Entzündung.Die Augen wirken besonders "glasig", wenn sich Flüssigkeit zwischen Bindehaut und Augapfel ansammelt und die Bindehaut vom Untergrund
abhebt.Brennen, Jucken und das Gefühl, als ob ein Sandkorn unter den Lidern säße und kratzte, sind typische Symptome. Morgens können die Lider auch verklebt sein. Schleimfäden auf der Hornhaut
können das Sehen vorübergehend beeinträchtigen, meist lassen sie sich aber bei der normalen Augenreinigung entfernen. Bei einer stärkeren Entzündung sind auch die Augenlider geschwollen und
lassen den Menschen insgesamt krank erscheinen.
Welche Ursachen gibt es für eine Konjunktivitis? Bakterien, Viren oder Pilze können Infektionen hervorrufen, die zu einer sich ausbreitenden Entzündung führen. Chemische,
physikalische oder mechanische Reize sind häufige Auslöser. In diese Rubrik fallen ätzende Substanzen, Rauch, Staub, Dämpfe von Arbeitsstoffen in Industrie und Heimwerkeridyllen, Fremdkörper
jeder Art, Strahleneinwirkung, grelles Sonnenlicht, Zugluft, Kälte- oder Wärmebelastung, Verletzungen durch Stoß, Druck oder Schlag usw., aber auch mechanische Reizungen etwa beim Tragen von
Kontaktlinsen .Eine andere große Gruppe der Auslöser sind die allergischen Reaktionen wie z.B. die Pollenallergie beim Heuschnupfen, aber auch die Unverträglichkeit gegenüber Arbeitsstoffen,
Kosmetika und Augencremes.Infektiöse Allgemeinerkrankungen können eine Bindehautentzündung mit in ihrem Symptomenkomplex haben; und auch chronisch- entzündliche Krankheiten wie z.B. manche
Rheumaformen weisen Entzündungen verschiedener Augenabschnitte auf. Entzündungen an anderen Bereichen des Auges, die zu ernsten Komplikationen und bleibenden Einschränkungen des Sehvermögens
führen können, haben oft eine Konjunktivitis als Warnsignal. Unkorrigierte oder nicht ausreichend korrigierte Sehfehler des Auges können ursächlich sein. Es ist also ratsam, die Brille
überprüfen zu lassen oder über die Notwendigkeiteiner Brille nachzudenken! Arbeiten die Augenmuskeln nicht im Gleichgewicht mit ausgleichendem Zug, so kann dies ebenfalls zu Problemen mit der
Bindehaut führen. Darüber hinaus kennen die Mediziner noch eine sog. "physiologische" oder " normale" Konjunktivitis, die häufig bei Kindern und Jugendlichen vorkommt und
eigentlich noch keinen Krankheitswert hat. Da die Bindehaut bei ihrer Abwehrfunktion mit vielen Erregern und Reizen zusammenkommt, reagiert sie beim ersten Kontakt noch mit der Bildung kleiner
Lymphfollikel zur Abwehr . Da diese Abwehrreaktion bei manchen Menschen stärker ausgeprägt ist als bei anderen, ist auch die Bindehautreizung bzw. -entzündung unterschiedlich stark. Im Kinder-und
Jugendalter ist diese Form differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen. Man muß nicht mit Medikamenten behandeln, sondern nur beobachten. Im Laufe des Lebens tritt diese verstärkte Reaktion dann
nicht mehr auf.
Was ist bei einer infektiösen Konjunktivitis zu beachten? Grundsätzlich ist die Tränenflüssigkeit dann infektiös und für die Keimstreuung verantwortlich. Deshalb sollte man
engen Körperkontakt vermeiden, eigene Handtücher und Taschentücher verwenden, die Hände häufig waschen und auch die Kinder zu strenger Hygiene anhalten. Akute Bindehautentzündungen durch
Bakterien und Pilze sind heute selten, weil durch die frühzeitige und gezielte Antibiotikatherapie eine weitere Streuung meist vermieden wird.Anders ist es mit der langsam, dafür aber oft chronisch
verlaufenden Infektion mit Chlamydien Es handelt sich hier um kleine Bakterien, die sich nur in lebenden Zellen vermehren und die Bindehaut des Auges, aber auch andere Schleimhäute des Körpers
befallen können. Häufig ist die Erkrankung auch mit einer Infektion der Harnröhre und auch später auftretenden Gelenkentzündungen vergesellschaftet sein. Hier ist eine Keimübertragung durch
intime Kontakte möglich; deshalb müssen Partner bzw. Partnerin in die Therapie mit einbezogen werden, um die Infektionskette zu durchbrechen. Die Therapie dauert mindestens drei Wochen.Durch Viren
übertragene Bindehautentzündungen heilen meist nach kurzer Zeit spontan ab.Die meisten zeigen sich im Rahmen eines grippalen Infektes mit reizung auch der umliegenden Schleimhäute ( Schnupfen,
Husten usw.). Es gibt aber auch ganz aggressive Viren, die sog. Adenoviren, die eine hoch infektiöse Virus-Konjunktivitis auslösen, die auch auf die Hornhaut übergreifen kann. Da sie sich rasend
verbreitet spricht man auch von einer "epidemischen Bindehautentzündung". Der Teil der Schleimhaut , der in Nasennähe liegt, ist am stärksten entzündet und sieht oft samtig - dunkelrot
aus. Wegen des starken Juckreizes wischen, reiben und drücken die Patienten an ihren Augen und übertragen durch die infektiösen Tränentröpfchen die Erkrankung auf den Nächsten. Absolute Hygiene
ist hier wichtig. Wegen der Ansteckungsgefahr werden Kinder nicht in Kindergarten und Schule geschickt und Erwachsene krank geschrieben. Selbst in der Augenarztpraxis wird der Patient von
Mitpatienten getrennt. Es gibt bislang noch keine Therapie, um die Viren abzutöten. Aber eine Linderung der Beschwerden ist dem Arzt in jedem Falle möglich.Eine weitere sehr infektiöse und auch
gefährliche Viruserkrankung ist die Herpesinfektion, die unbehandelt zu bleibenden Schäden führen kann.
Wie kann man die Bindehautentzündung behandeln? In keinem Falle sollte man eine Selbstbehandlung vornehmen und rezeptfreie Arzneimittel aus der Apotheke anwenden. Auch sollte man
sich nicht Medikamente von Bekannten empfehlen lassen. Jeder Fall ist anders! Was beim Einen die richtige Therapie war, kann beim Anderen genau das Falsche sein und zur Verschlimmerung derBeschwerden
führen. Es versteht sich auch von selbst, daß man keine Augentropfen oder -salben benutzt, die ein Angehöriger oder Bekannter bereits verwandt hat. Hier kommt die mögliche Infektionsgefahr hinzu.
Gewarnt sei hier auch vor Kamillekompressen zur "Beruhigung" des Auges. Bei den meisten Menschen wird genau das Gegenteil erreicht: es werden allergische Reaktionen mit Rötung und massiver
Lidschwellung ausgelöst, die dem Betroffenen dann erst recht zu schaffen machen. Auch andere Heilkräuterextrakte können Ähnliches bewirken und sollten daher ebenfalls nicht eingesetzt werden ohne
vorherige ärztliche Rücksprache. Der Arzt verordnet Antibiotika bei einer Infektion mit Bakterien oder Chlamydien und Antimykotika, wenn Pilze ursächlich verantwortlich sind. Viruserkrankungen
können nur symptomatisch mit Augentropfen behandelt werden, eine gezielte, die Viren hemmende Therapie gibt es noch nicht. Meist heilen virale Bindehautentzündungen aber auch schnell spontan ab. Da
manche Viruserkrankung sehr ansteckend ist, sei an dieser Stelle noch einmal vor zu engem Körperkontakt gewarnt und an ausreichende Hygienemaßnahmen sowie die Benutzung von eigenen Hand- und
Taschentüchern erinnert, weil die Tränenflüssigkeit infektiös ist. Bei Ansteckungsgefahr müssen Kinder von Schule und Kindergarten ferngehalten werden, und auch Erwachsenen haben sich zu
separieren. Bei der gefürchteten Herpesinfektion muß ein Übergreifen der Infektion auf die Hornhaut verhindert werden, deshalb kommen hier oft spezielle Arzneimittel in Form von Tabletten oder
Infusionen zur Anwendung.Liegt ein sog. "trockenes Auge" vor, so kann künstliche Tränenflüssigkeit, die mehrmals täglich getropft wird, die Beschwerden lindern.
Muß man in jedem Falle zum Arzt gehen? Ja, weil die Bindehautreizung auch Symptom einer anderen Krankheit sein kann. Hauptsächlich kommen Entzündungsprozesse in den übrigen
Anteilen des Auges in Betracht : hier seien die Hornhaut (Cornea), die Regenbogenhaut ( Retina), die Lederhaut ( Sklera) mit ihren oberflächlichen und tiefen Anteilen, die Augenmuskeln genannt, aber
auch das Bindgewebe, das den Augapfel umgibt, und die Augenlider.Auch kann sich z.B.eine Hornhautverletzung, die man selbst gar nicht wahrgenommen hat, hinter einer harmlos wirkenden
Bindehautentzündung verbergen und zu einer Verschlechterung des Sehens führen, wenn sie unbehandelt bleibt.Nur die genaue Abklärung der Entzündungsursache kann eine gezielte Behandlung nach sich
ziehen und Komplikationen verhüten.
Welche Komplikationen kann es geben? Die Entzündung kann fortschreiten und auf andere Bereiche des Auges übergreifen, aber u.U. auch andere anstecken. Die Tränenflüssigkeit ist
bei manchen Virusinfektionen sehr infektiös!Dauert eine Reizung durch Fremdkörper an, oder bleiben kleine Verletzungen unbemerkt, so können sich Narben z.B. auf der Hornhaut bilden und zu einem
bleibenden Schaden mit Verminderung des Sehvermögens führen. Unerkannte Prozesse an anderen Augenabschnitten können ebenfalls zu einem bleibenden Sehverlust führen.Chronische Krankheiten, wie
etwa Entzündungen aus dem rheumatischen Formenkreis, könnten am Auge unerkannt fortschreiten und zu bleibenden Schäden führen.
Was sind Warnsignale für "ernstere" Augenerkrankungen? Wenn die Sehschärfe nachläßt oder eine plötzliche Sehverschlechterung eintritt, sollte man keine Zeit mehr
verstreichen lassen und sofort einen Arzt aufsuchen; ebenso, wenn sich die Pupille einseitig in Größe oder auch Form verändert, wenn Schmerzen tief im Augeninnern auftreten, wenn die Augen massiv
tränen und sich dicke Bläschen unter den Lidern gebildet haben (ansteckender Virusinfekt!), wenn eine keilförmige Rötung der Bindehaut zu sehen ist oder eine Einblutung ( diese ist jedoch meist
harmlos und sieht nur gefährlich aus!).
LITERATURHINWEISE
Faltblatt "Bindehautentzündung" zu beziehen über: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg Berufsverband der Augenärzte (BVA)
Postfach 110144, 44501 Düsseldorf Kurt Pollak : Knaurs Großes Gesundheitslexikon Droemer- Knaur- Kindler-Verlag, München ISBN 3-426-26184-7
B.Nees-Delaval: Wenn Kinder krank werden, Kapitel Augenerkrankungen Falken - Verlag, Niedernhausen ISBN 3-8068 -4240 X
|